Gewerkschaft Verdi diskutiert mit OB Kurt Seggewiß und Stadträten
Kampf gegen Angstgeschwür

Aufgepasst: "Keiner braucht Angst vor Kündigungen zu haben", sagt OB Kurt Seggewiß beim Diskussionsabend von Verdi mit (von rechts) Kathrin Birner, Alexander Gröbner und Robert Kösling (links). Bild: Hartl
Weiden. (mte) Die klamme Stadt muss sparen. Auch an Personal in Bauhof und Stadtgärtnerei, schlägt der Kommunale Prüfverband vor. Seit das publik ist, kursieren Ängste unter den Stadtbediensteten, weiß die Gewerkschaft. Ängste, die die Medien grundlos geschürt haben, klagt das Stadtoberhaupt - und muss sich am Ende selbst an die Nase fassen.

Prüfbericht hin, Konsolidierungsvorschläge her. Was ist nicht alles diskutiert worden über Stellenstreichung und Aufgabenoptimierung bei der Stadt - stets über die Köpfe der Beschäftigten hinweg. So sieht das jedenfalls die Gewerkschaft Verdi und bittet OB Kurt Seggewiß und Stadträte am Mittwoch zu einem Diskussionsabend ins Schützenhaus.

"Es vergeht keine Woche, in der Stadtbeschäftigte nicht wegen ihrer Ängste bei uns aufschlagen", sagt Verdi-Geschäftsführer Alexander Gröbner vor etwa 30 Mitarbeitern vor allem von Bauhof und Stadtgärtnerei. Seggewiß schüttelt den Kopf und appelliert: "Lasst uns gegen dieses Angstgeschwür in der Stadt kämpfen. Keiner braucht Angst vor Kündigungen haben. Stellt die Kollegen kalt, die etwas anderes behaupten. Schickt sie zu mir." Doch woher rührt die Angst, will Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner vom Stadtoberhaupt wissen. Ganz klar von den Medien, meint Seggewiß. Durch die Veröffentlichung des Prüfberichts, der unglücklich vermengt sei mit Konsolidierungsvorschlägen - "beides eine rein verwaltungsinterne Angelegenheit" (Zitat OB) - seien unnötig Ängste geschürt worden. "Zunächst werden wir, Stück für Stück in öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzungen den Prüfbericht abarbeiten. Die Ergebnisse werden Bestandteil der Haushaltsberatungen 2016."

Auch Mitarbeiter hören

Hier grätscht die Gewerkschaft mit Robert Kösling, Sachverständiger für öffentliche Infrastruktur und Verwaltung, dazwischen. Er meint, der Prüfbericht ist kritisch zu sehen, die Vergleichswerte müssen verifiziert, ein eigenes Urteil gefällt und Zukunftsperspektiven erarbeitet werden. "Für so große Maßnahmen braucht es ein ordentliches Projektmanagement. Nur die Führungsebene zu hören, ist zu wenig. Auch Personalvertreter und Mitarbeiter müssen mitgenommen werden. Das schafft Transparenz."

Zudem braucht es laut Kösling Zukunftsvisionen: Welche Aufgaben will die Stadt 2020 übernehmen? Das biete die Chance, einen solch großen Prozess produktiv zu nutzen, die Verwaltung generell vorwärts zu bringen. Zumal laut Gröbner noch weitere Probleme zu lösen sind wie der hohe Krankenstand und die Stellenbesetzungssperre.

Und tatsächlich, ein Mitarbeiter des Bauhofs traut sich: "Die Arbeit verdichtet sich extrem." Die Folge: "Wer Gutleistern immer mehr aufbürdet, wird am Ende Schlechtleister bekommen." Der Chef der Stadtgärtnerei, Hans Gallersdörfer, verweist auf sechs Stellen weniger seit 2003, auf zurückgefahrene Leistungen, darauf, dass man sich wie im Bauhof auch ständig mit anderen vergleiche und entsprechend handle. Nur fragt er sich: "Wann endet endlich die Forderung nach weiterem Personalabbau? Wann ist endlich Schluss?"

Es braucht weiter diese Optimierungsvorschläge, springen die Fraktionschef von SPD, CSU und Grünen dem OB zur Seite. Am besten kommen sie aus den eigenen Reihen, sind sich Wolfgang Pausch, Roland Richter und Karl Bärnklau einig. Denn die finanzielle Lage sei sehr ernst. "Die Prozessoptimierung muss Tagesgeschäft sein. Habt Vertrauen zu uns", sagt Seggewiß. "Einsparpotenziale zu erarbeiten, sehe ich nicht als primäre Aufgabe der Beschäftigten", meint Oskar Salfetter. Vielmehr stünden hier Führungskräfte in der Pflicht, die mit Beschäftigten über ihre Ideen sprechen, bevor sie an die Stadtverwaltung gehen. 25 Jahre war Salfetter Personalratschef beim Arbeitsamt: "Transparenz muss gelebt werden."

Ja zu mehr Transparenz

Am Ende lenkt der OB in drei Punkten ein. Erstens: "Die Stellenbesetzungssperre tut echt weh. Für 2016 müssen wir sie abmildern oder ganz abschaffen." Zweitens will Seggewiß verstärkt den in der Verwaltung bedenklichen Alterskegel im Auge behalten, um Wissen nicht mit in Rente zu schicken. Und drittens brauche es wohl im Zuge weiterer Optimierungen ein "transparentes Monitoring". "Vielleicht habe ich einen Fehler begangen, das Projektmanagement nicht öffentlich gemacht zu haben."
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