Gleiches Recht für alle: Geheimdienste briefen beide Kandidaten der US-Präsidentschaftswahlen
Staatsgeheimnisse für den Lautsprecher?

Washington. Neben einem radikalen Umbau seines Wahlkampfteams sollte für Donald Trump am Mittwoch vor allem eines auf dem Programm stehen: das Briefing der Geheimdienste. Diese Unterrichtung ist für Präsidentschaftskandidaten seit 1952 fester Bestandteil ihrer Vorbereitung auf das mögliche Amt. Da aber 2016 nichts ist wie sonst und Trump ein sehr spezieller Kandidat, besorgt viele allein der Gedanke, der Polterer sei im Besitz vertraulicher Informationen. Im FBI-Büro in New York sollte Trump unterrichtet werden, schreiben das "Wall Street Journal" und andere US-Medien. Experten beschwichtigen, bei diesen ein bis zwei Briefings irgendwann zwischen der Nominierung und der Wahl gehe es nicht um die Nuklearcodes oder laufende CIA-Operationen. Eher sei das ein allgemeiner Überblick. Dafür sei nicht einmal eine Sicherheitsüberprüfung nötig.

Organisiert und zusammengestellt werden die Informationen vom nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper. Als schon vor Monaten Forderungen laut wurden, dieses Briefing Trump wegen vorlauten Gehabes und ständigen Verbreitens von Unwahrheiten zu untersagen, schrieb Clapper einen bündigen Brief, aus dem CNN zitiert: "Beide Kandidaten werden gleichberechtigt und unparteiisch gebrieft." Die Republikaner hatten versucht, Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre am Zeug zu flicken. "Sie wird nichts für sich behalten. Lasst uns protestieren", hatte Trump selbst gesagt.

Später wurde Trumps Lobpreisung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ebenso als Beleg mangelnder Vertraulichkeit ins Feld geführt wie seine Aufforderung an russische Hacker, doch bitte Clintons fehlende E-Mails zu beschaffen. David Priess, früher CIA, sagte CNN zur Natur dieser Briefings: "Ja, es geht um Top-Secret-Informationen. Wer sie ausplaudert, kann dem Land schweren Schaden zufügen. Aber es geht nicht um die Kronjuwelen." Zweierlei Sinn hätten diese Einweisungen, sagt Martha Kumar, die sich mit der Übergangsphase zwischen Präsidentschaften beschäftigt: Sie sollten die Kandidaten auf spätere Entscheidungen vorbereiten sowie mit Personal und Ressourcen vertraut machen.
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