Gleichstromtrasse nicht vor dem Jahr 2025
Erdkabel bringen Trassenplaner in Verzug

"Erdkabel können uns helfen, Akzeptanz für den Netzausbau zu schaffen. Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau daher nicht, es macht ihn erst möglich." Zitat: Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur

Ohne starke Nord-Süd-Leitungen gelangt kein Windstrom nach Bayern. Die Bundesregierung setzt bei den neuen Trassen nach Protesten auf Erdkabel. Diese sind nicht nur teurer als Überlandleitungen, sondern verzögern auch den Ausbau um Jahre.

Berlin/Bonn. (dpa/räd) Die für die Energiewende lebenswichtigen Strom-Autobahnen von Nord- nach Süddeutschland verzögern sich durch die geplante unterirdische Verlegung voraussichtlich um mehrere Jahre. Das geht aus einem Bericht der Bundesnetzagentur hervor, der erst jetzt bekannt wurde.

Drei Jahre später


Bereits vor mehr als einem Monat hatte ein Sprecher der Bundesnetzagentur unserer Zeitung gegenüber eingeräumt, dass die Süd-Ost-Passage von Sachsen-Anhalt nach Landshut nicht mehr rechtzeitig vor der Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes im Jahr 2022 in Betrieb gehen wird. "Wir gehen davon aus, dass die Gleichstromtrasse nicht vor 2025 abgeschlossen sein wird", sagte Pressesprecher Fiete Wulff im NT/AZ-Interview. Behördenchef Jochen Homann verteidigte den von Bund und Ländern gewollten Vorrang für unterirdische Kabel: "Erdkabel können uns helfen, Akzeptanz für den Netzausbau zu schaffen. Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau daher nicht, es macht ihn erst möglich", sagte er der dpa. Das Gesetz war Ende 2015 verabschiedet worden, um erheblichen Widerständen aus der Bevölkerung gegen große neue Stromtrassen entgegenzukommen.

Erdkabel können uns helfen, Akzeptanz für den Netzausbau zu schaffen. Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau daher nicht, es macht ihn erst möglich.Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur


In Nordostbayern sprachen sich viele Bürger gegen die von ihnen so genannten "Monster-Trassen" aus. Die Bundesregierung hofft nun auf eine schnellere Umsetzung mit weniger Klagen. Allerdings müssen die Planungen neu aufgerollt werden - das kostet Zeit. Für die Süd-Ost-Passage rechnet die Netzagentur mit einem neuen Antrag des Netzbetreibers Tennet frühestens Ende 2016.

Zugeständnis an Seehofer


Der Vorrang für Erdkabel bei Gleichstrom-Trassen, der die Baukosten um mehrere Milliarden erhöhen wird, war auch ein Zugeständnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel an Ministerpräsident Horst Seehofer. Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) übte Kritik an der Bundesregierung und Bayern. Sein Bundesland habe den Ausbau "so konsequent und schnell vorangetrieben wie kein anderer".

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Das gesamte Interview im Internet:

www.onetz.de/1666177

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