Griechen fürchten Bankenkollaps

Ein Schuhputzer wartet vor dieser Bank in Athen auf Kunden. Zwar haben die Griechen in den vergangenen Wochen rund 20 Milliarden Euro von ihren Konten abgezogen, lange Schlangen sind vor den Geldautomaten trotz der neuerlichen Hiobsbotschaften nicht zusehen. Bild: dpa

Die EU-Familie mag empört sein, viele Griechen sind aber zufrieden mit ihrer neuen Regierung. Dennoch heben sie ihr Geld ab. Und in Brüssel sucht man wieder nach einer Wunderlösung in letzter Minute.

Die Stimmung in der griechischen Bevölkerung schwankt knapp vier Wochen nach dem Wahlsieg der Linken unter Regierungschef Alexis Tsipras zwischen Hoffen und Bangen. Ein großer Teil zeigt sich zufrieden, weil die Regierung in Athen endlich verhandelt - und sich nicht vor der verhassten "Troika" der internationalen Geldgeber verbeugt. Zugleich gehen viele auf Nummer sicher - und haben in den vergangenen Wochen mehr als 20 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben.

Auch Nicht-Tsipras-Wähler sagen "Bravo" zur neuen Regierung: Fünf Jahre lang mussten sie zusehen, wie viele Kinder ohne Frühstück zur Schule gingen, junge Leute auswanderten, ältere Menschen ohne Krankenversicherung blieben, die Geldgeber ihnen aus der Ferne gratulierten und ihnen sagten: "Gut so - noch ein Jahr so weiter und euch wird es wieder gut gehen." So beschreibt es Nikos Sevdalis, ein 30-jähriger Arzt aus der Hafenstadt Korinth. Er hat in den vergangenen Jahren immer wieder nicht versicherte Menschen kostenlos verarztet. "Sie tun mir leid."

Einfachen Weg gewählt

Aus Sicht vieler Menschen haben Geldgeber und die abgewählte konservativ-sozialistische Koalitionsregierung stets den einfachen Weg gewählt: Renten kappen, Staatsbedienstete entlassen, Gelder für die Gesundheit kürzen. Tsipras sagt dagegen: Zuerst sorgen wir für unsere notleidende Bevölkerung. Das ist für jede Regierung erste Priorität, kommentiert ein Diplomat eines Nicht-EU-Landes. Die Reaktionen der Wähler seien "völlig normal", hieß es.

Für Demoskopen zeigt sich ein überraschendes Bild: 80 Prozent der Griechen sind der Ansicht, die Tsipras-Regierung mache einen guten Job. Und 58 Prozent glauben, Tsipras verhandle richtig. So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Marc, die in der griechischen Presse veröffentlicht wurde. Würde heute gewählt, bekäme die Regierung Tsipras 45 Prozent, statt 36 Prozent wie Ende Januar.

In der Bevölkerung wächst unterdessen die Sorge um das Ersparte. Für Aufruhr sorgt die - von der EZB dementierte - Meldung, die Zentralbank spreche über die Möglichkeit von Kapitalverkehrseinschränkungen für griechische Banken. Das würde zum Beispiel bedeuten, dass Kontoinhaber nur bestimmte Summen abheben könnten. Auch Überweisungen ins Ausland würden limitiert.

Bislang keine Schlangen

Lange Schlangen vor den Geldautomaten oder den Bankschaltern gibt es bislang zwar nicht. "In der heutigen Zeit muss man nicht unbedingt zum Geldautomaten gehen. Es geht auch elektronisch", sagte ein Bankangestellter einem Fernsehteam, das am Donnerstag vor einem Geldautomaten im Zentrum Athens vergeblich auf in Panik geratene Bürger wartete.

Bis kurz vor 13 Uhr schien die Griechenland-Krise auch so gut wie gelöst. Die Athener Regierung frohlockte forsch, ihr Antrag auf eine sechsmonatige Verlängerung von Finanzhilfen sei zu "95 Prozent" in der Euro-Gruppe akzeptiert. Auch EU-Kommission-Chef, Jean-Claude Juncker, verbreitete Optimismus. Und der niederländische Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem lud für heute zum Sondertreffen ein.

Dann kam die kalte Dusche: Weder die Kommission noch Athen haben im Schuldendrama das letzte Wort, sondern die Euro-Länder - an vorderster Front der Hauptgeldgeber - und das ist das größte Euro-Land Deutschland. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis hatte die Rechnung ohne seinen deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble (CDU) gemacht: "kein substanzieller Lösungsvorschlag" sei das Papier, sagte dessen Sprecher. Varoufakis muss also nacharbeiten. "Das Schreiben entspricht nicht den am Montag in der Euro-Gruppe vereinbarten Kriterien", ließ Schäuble erklären.

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Der Brief der Griechen an die Euro-Gruppe:

http://www.oberpfalznetz.de/finanzhilfen
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