Größte Militärparade der russischen Geschichte erntet Kritik
Moskauer Machtspiele

Mit großer Symbolik und einer gigantischen, traditionellen Militärparade werden die Russen am 9. Mai des Sieges über Nazi-Deutschland gedenken. Doch in die Feierlichkeiten mischen sich angesichts des Ukraine-Konflikts und des daraus folgenden Fernbleibens der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg deutliche Zwischentöne. Bild: dpa

Zum 70. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland rüstet sich Moskau für die größte Militärparade der russischen Geschichte. Doch die Alliierten von damals boykottieren die Waffenschau wegen des Ukraine-Konflikts. Wie verhält sich Kriegsverlierer Deutschland?

Es soll eines der letzten großen stolzen Kriegsgedenken mit Tausenden Veteranen in Moskau werden. Wenn Moskau am 9. Mai den 70. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland feiert, dann soll die Welt sich an sie erinnern, an die Heldentaten der Sowjetsoldaten von einst. 1945 hissten Rotarmisten zum Zeichen der Eroberung Berlins die Sowjetfahne auf dem Reichstag. Mit der größten Militärparade seiner Geschichte will Russland an den Triumph von einst erinnern - und Stärke zeigen.

Doch die pompöse Waffenschau fällt in eine Zeit größter Spannungen zwischen Ost und West wegen des Ukraine-Konflikts. Die Alliierten des Zweiten Weltkriegs - Großbritannien, die USA und Frankreich - bleiben wegen Russlands umstrittener Politik in der Ukraine fern. Auch die meisten Staats- und Regierungschefs der EU boykottieren das Fest. Doch die russische Führung bremst das nicht im Siegesrausch. Gut 16 000 Soldaten marschieren allein bei der Parade über den Roten Platz. Militärs aus zehn Nationen, 200 Einheiten Kriegstechnik, darunter Panzer und Interkontinentalraketen, sowie 140 Hubschrauber und Flugzeuge sollen dem Fest militärischen Glanz geben. Landesweit bietet das Militär in 28 Städten 80 000 Soldaten auf.

Gegner kritisieren, das alles sei eine übertriebene Show für den "Hurra-Patriotismus", der wie zu Sowjetzeiten für Propagandazwecke missbraucht werde. Zudem wolle Russland den USA demonstrieren, dass die Atommacht nicht international isoliert sei, schreibt die kremlkritische Zeitschrift "The New Times". Der Besuch von Staatschefs aus Nordkorea, China, Indien, Kuba und den meisten Ex-Sowjetrepubliken solle eine "Weltkarte zeigen, die dem Diktat der USA widerstehen kann", heißt es in dem Blatt. Russlands Rüstungsindustrie sieht die Parade als Werbeschau für die Regierungschefs.

"Sieg nicht stehlen lassen"

Moskau gedenkt am Tag des Sieges daran, dass die Sowjetunion mit 27 Millionen Toten den mit Abstand größten "Blutzoll" im Kampf gegen die Nazis brachte. Die Sowjetunion habe den "entscheidenden Beitrag" zum Sieg über den Faschismus geleistet, betont Außenminister Sergej Lawrow. Es gehe Russland nicht darum, "den Sieg für sich zu beanspruchen". Auch Amerikaner, Briten, Franzosen und der Widerstand hätten heldenhaft gekämpft. Allerdings wehre sich Moskau gegen Versuche, "dass er (der Sieg) uns gestohlen wird", sagt Lawrow. "Das Ziel ist es, die Stärke und moralische Autorität Russlands zu unterhöhlen, ihm den Status als Siegermacht abzusprechen", meint Wladimir Putin. So betonte die Ukraine, dass ein Sieg ohne sie nicht möglich gewesen wäre. Das mit Russland verfeindete Land boykottiert die Feier - wie Staaten im Baltikum oder Georgien. Sie lehnen es ab, mit Putin auf der Tribüne auf dem Roten Platz zu stehen.

Putin warnt

Enttäuscht warnte der Kremlchef davor, die Geschichte für "geopolitische Machtspiele" zu missbrauchen. Es gehe um das Andenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten, betonte Putin. Als "klugen Kompromiss" lobten die Russen, dass Kanzlerin Angela Merkel am 10. Mai in Moskau ist. Sie will am Grab des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegen. Schon am 7. Mai besucht Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Wolgograd Soldatengräber.

Die russische Führung betont auch, dass es um einen Feiertag für die Veteranen gehe - viele sind heute über 90 Jahre alt. Viele der etwa 2,5 Millionen reisen an. Russland lässt sich das Fest trotz einer schweren Wirtschaftskrise Millionen kosten. Doch wird auch Kritik laut. Medien berichten über bittere Schicksale von Veteranen, die in Armut leben und mangelhaft versorgt werden. Und mancher Held fragt sich, wie es sein kann, dass deutsche Rentner, die Kriegsverlierer von einst, heute besser leben als sie, die Sieger von damals. Eine Antwort gibt es nicht.
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