Großbritannien
Corbyn verteidigt Labour-Vorsitz

Entspannt ist Jeremy Corbyn nicht, obwohl er siegte. Bild: dpa

Von Christoph Meyer, dpa

Liverpool. Am Tag nach dem Triumph von Jeremy Corbyn herrscht bei seinen Gegnern in der Labour-Partei Katerstimmung. Der Altlinke hatte am Samstag zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres eine Urwahl um den Parteivorsitz gewonnen. Dieses Mal sogar mit noch größerer Mehrheit. Und das, obwohl Corbyn keinen Rückhalt in der eigenen Parlamentsfraktion hat. Ob der viertägige Parteitag, der am Sonntag in Liverpool begann, dazu genutzt werden kann, Labour wieder zu einen, ist ungewiss. Zwar gab sich Corbyn bei seiner Siegesrede versöhnlich. Er wolle "reinen Tisch" machen und man sei "Teil einer Labour-Familie", doch auf Forderungen seiner Kritiker ist der 67-Jährige bislang nicht eingegangen. Das zeigt, wie tief das Misstrauen zwischen ihm und seinen Gegnern sitzt. Möglicherweise haben sich die Corbyn-Anhänger und -Gegner längst auf einen langwierigen Konflikt eingestellt. Sein Herausforderer, der bis dahin relativ unbekannte Owen Smith, so meinen Kommentatoren, hatte nie eine Chance. Damit bleibt Labour gespalten - ein Desaster im Zwei-Parteien-System Großbritanniens. Die Opposition ist nicht handlungsfähig. Und das in einer Phase, in der es um die künftige Rolle Großbritanniens in Europa geht. Für die konservative Premierministerin Theresa May, die alle Hände voll zu tun hat, ihre Partei auf eine Linie für den Brexit einzuschwören, ist das ein großer Vorteil.
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