Große Pflegeserie des Medienhauses „Der neue Tag“
Flucht vorm deutschen Pflege-System

Ulrich und Helga Larm aus Stuttgart wollen mit ihrem geliebten Hirtenhund in einen der kleinen gepflegten Bungalows einziehen.

Žihle. Nur wenige Autominuten von Žihle entfernt wohnen Helga und Ulrich Larm in einem romantischen Försterhaus. "Wo andere Urlaub machen", lacht der 72-jährige Stuttgarter. "Mitten im Naturschutzgebiet." Wohin der Blick auch schweift: Mehr böhmische Idylle geht nicht. Vier Jahre lang fuhr das Paar mit Hund regelmäßig zum Wochenendhaus nach Tschechien. Dann machte es Nägel mit Köpfen:

"Der Kauf war dann eine recht spontane Sache", erklärt die 60-jährige Helga. "Bereut haben wir es nicht", auch wenn die Zusammenarbeit mit den Handwerkern nicht immer vergnügungssteuerpflichtig gewesen sei: "Hanoi, sie haben halt ned immer a reschte Luscht", schwäbelt Ulrich Larm. "Man braucht gute Freunde", zeigt er auf Monika und Josef Kalous, die uns zum Haus der Exildeutschen begleiteten. Das befreundete Paar unterstützte die Stuttgarter nicht nur bei der Renovierung des Hauses, es bietet auch eine Perspektive, wenn sie die Arbeit einmal nicht mehr machen können: "Das Grundstück mit 26 Ar macht schon viel Müh'", sagt Helga. "Und wir heizen ja mit Holz." Am Anfang hätte ihr Mann noch selber gesägt und die Scheiteln gespalten, jetzt reiche es nur noch zum Stapeln: "Das Kreuz", deutet er mit Grimasse nach hinten.

OP in Pilsen


Man wird eben nicht jünger: "Mein Mann hatte einen Leistenbruch", erzählt die besorgte Gattin. "Die OP war in Pilsen, aber Uli war sehr zufrieden mit der Betreuung." Schwestern und Ärzte hätten Deutsch gesprochen. "Die haben sich besser gekümmert als bei uns in Deutschland", sagt Helga. "Nur mit dem Essen war er ned so glücklich, er isch halt ein Gourmet." Dass die Ära Försterhaus nicht mehr allzu lange währt, darüber sind sich die zwei im Klaren. "Unser Häuschen bei Monika und Josef ist schon reserviert", freut sich Helga. "Das kostet uns beiden 15 000 Kronen im Monat - 555 Euro."

Damit käme man in Deutschland nicht sehr weit. "Wir haben die letzten Jahre unsere Erfahrungen mit dem deutschen Pflegesystem gemacht", sagt sie bitter. "Ulis Mutter bekam Alzheimer, wir haben sie daheim gepflegt." Dann habe ihr Vater einen Schlaganfall erlitten: "Im Pflegeheim ging die ganze Rente drauf, 5000 Euro", sagt Helga zornig, "dabei war er wundgelegen - ich hatte so eine Wut, ich wollte nur noch weinen."

Der Vater sei schließlich im Krankenhaus verstorben. "Wir haben uns anschließend hierher nach Böhmen aufgemacht, wir brauchten Ruhe." Und sie fanden hier ihr Altersparadies. "Wir kamen und blieben." Auch weil sie aufgrund des Preisgefälles in Tschechien mehr für den Euro bekommen: "Ob Verpflegung, Kfz- oder Grundsteuer, hier ist einfach alles günstiger."
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