Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
„Flickenteppich“ Ganztagsschule

In der Mensa der Gesamtschule Barmen in Wuppertal bringen Schüler Tabletts mit Essen zu ihren Plätzen. Die Schule ist Preisträgerin des Deutschen Schulpreises 2015. Archivbild: dpa

Ganztagsschulen sollen die Lernchancen für alle Kinder verbessern und auch ihren berufstätigen Eltern helfen. Doch von Land zu Land klaffen die Vorgaben bei Öffnungszeiten und Finanzierung von Zusatzpersonal weit auseinander.

Gütersloh/Berlin. An deutschen Ganztagsschulen gibt es von Bundesland zu Bundesland riesige Unterschiede bei den Lernzeiten und der Ausstattung mit Lehrern oder Erziehern. So liegt die Bandbreite dessen, was die Länder jährlich für zusätzliches Ganztags-Personal ausgeben, zwischen schmalen 1300 Euro pro Schulklasse einer gymnasialen Ganztagsschule (Sekundarstufe I) in Sachsen - und üppig bemessenen knapp 37 000 Euro in Rheinland-Pfalz. Bayern liegt mit 25 000 Euro auf Platz drei.

Dies ist eines der Ergebnisse einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung zum bundesweit wachsenden Ganztagsschulangebot in Deutschland. Die Analyse will erstmals die Lernbedingungen für die 1,27 Millionen Schüler in bindenden Ganztagsschulen vergleichbar machen - und die klaffen je nach Bundesland oder Schulform weit auseinander. Von einem "Flickenteppich Ganztag" sprechen daher die Autoren der Studie. "Wir haben bundesweit einen Dschungel an unterschiedlichen Bestimmungen zur Verteilung von Ressourcen im Ganztag. Die riesigen Unterschiede legen offen, wie sehr es an gemeinsamen Standards für den Ganztag mangelt", fasst Dirk Zorn, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung, die Erkenntnisse zusammen. Für gleichwertige Lernchancen müssten die zuständigen Kultusminister der Länder dringend Mindeststandards vereinbaren.

Hessen bei Stunden vorne


So ist die zusätzliche Zeit, die Ganztagsschülern im Vergleich zu anderen zur Verfügung steht, abhängig von weit auseinander gehenden Vorgaben in den Ländern. Grundschüler in hessischen Ganztagsschulen verbringen 22 zusätzliche Stunden pro Woche an der Schule. In Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sind nur acht vorgesehen.

An weiterführenden Schulen sinkt im Durchschnitt die Zusatz-Lernzeit, die riesige Spannbreite je nach Land bleibt: Kommen Ganztagsschüler aus Hessen oder Hamburg auf überdurchschnittliche Werte zwischen 13 und 16,4 Extra-Stunden, so sind für Schüler aus Nordrhein-Westfalen und den ostdeutschen Flächenländern in den höheren Klassen nur rund vier Mehrstunden vorgesehen.
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