Großes Fest der Freiheit

Tausende feierten am Sonntagabend den Mauerfall vor dem Brandenburger Tor. Hier trat auf der Showbühne unter anderem der Sänger Clueso auf. Bilder: dpa

Mit Rührung und Freude in den Augen haben viele Menschen in Berlin den Staatsakt zum Mauerfall-Jubiläum verfolgt. Zwischen all den feierlichen Reden war aber auch Zeit für sehr persönliche Momente.

Udo Teschner stehen Tränen in den Augen. Er ist mit seiner Familie zur Mauergedenkstätte Bernauer Straße gekommen, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Gedenkfeier die Grenzöffnung als den "glücklichsten Moment unserer jüngsten Geschichte" würdigt. Hunderte Menschen verfolgen auf Bildschirmen den Festakt. Einige liegen sich in den Armen, andere applaudieren Rednern, die den Mut der DDR-Bürger im Herbst 1989 loben.

Ein begehrter Stempel

Udo Teschner hält seinen DDR-Pass in der Hand. Auf dem Passfoto ist jener seltene Stempel zu sehen, den DDR-Bürger erhielten, die in den ersten Stunden nach dem Mauerfall nach Westdeutschland gingen. Von Weimar fuhr er zum nächsten Grenzübergang bei Eisenach. "Die Stimmung war gigantisch, diese Freude, wir waren davon angesteckt", erzählt der 48-Jährige.

Als er das hessische Bad Homburg am 10. November schließlich erreichte, "war kein Mensch mehr auf der Straße". Er habe Angst gehabt, ob er wieder in die DDR einreisen konnte. "Ich musste doch noch am selben Tag eine Klausur schreiben", erinnert sich Teschner. Die Einreise klappte, "die Klausur aber habe ich verhauen". Für Menschen wie Udo Teschner sind die Erinnerungen an die DDR noch lebendig. Nach Ansicht der Kanzlerin aber "erleben wir alle, wie schnell vergessen wird".

Deshalb würden Orte wie die Gedenkstätte Bernauer Straße gerade für die junge Generation immer wichtiger. Ein Besuch zeige, "wie wichtig es ist, die SED-Diktatur weiter aufzuarbeiten und Unrecht weiter als Unrecht zu bezeichnen". Die Mauergedenkstätte zeigt seit Sonntag eine neue Dauerausstellung zur Geschichte vom Mauerbau über die Öffnung der Grenzen bis zur Wiedervereinigung. Drei Millionen Euro wurden dafür investiert.

Mit mehr als einer Million Besuchern in den Gedenkstätten allein in diesem Jahr rechnet der scheidende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). "Erinnerung ist und bleibt wichtig", betont er. Es gebe eine historische Verantwortung, sagt Wowereit bestimmt.

Für die Kanzlerin strahlt der Mauerfall eine Botschaft der Zuversicht aus: "Heute und künftig weitere Mauern einreißen zu können - Mauern der Diktatur, der Gewalt, der Ideologien, der Feindschaften." Ein älteres Ehepaar aus Berlin wischt sich die Tränen aus den Augen. "Die Bilder kommen wieder hoch", sagt sie. 1959 sei sie bei Salzwedel in Sachsen-Anhalt in die Bundesrepublik geflüchtet: "Hinter uns wurde geschossen." Zum Gedenken an die Menschen, die entlang der Mauer ums Leben kamen, stecken Merkel, Wowereit, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und andere Politiker Rosen zwischen die Steine der einstigen Sperranlage an der Bernauer Straße.

"Abscheulichstes Bauwerk"

Der DDR-Oppositionelle Ehrhart Neubert bezeichnet die Mauer als "das abscheulichste Bauwerk". Mit der Wiedervereinigung gebe es wieder "ein Leben vor der Rente", sagt er mit Blick auf Regelungen in der DDR, wonach in der Regel nur Rentnern eine Reise in die Bundesrepublik erlaubt war.

Unter einem grauen November-Himmel und bei kühlen Temperaturen verfolgen die Menschen, wie bei der zentralen Veranstaltung von Bund und Land Berlin mit Musik und unzähligen Kerzen der 25. Jahrestag würdig begangen wird. "Uns war immer klar, dass man ein Volk nicht auf Dauer teilen kann", sagt Wolfgang Frieske. Er steht mit seiner Frau vor einem riesigen Bildschirm, auf dem die Feier zu sehen ist. Beide kommen aus dem Saarland - genau aus dem Ort, wo auch Staatschef Erich Honecker gelebt hat.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/grenzoefnnung
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