Grün-Schwarz präsentiert Koalitionsvertrag
Zweckehe in Stuttgart

Thomas Strobl (links), der Landesvorsitzende der CDU Baden-Württemberg, und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) stellen in Stuttgart den grün-schwarzen Koalitionsvertrag vor. Bild: dpa

Grüne und CDU - passt das? In Baden-Württemberg raufen sich die beiden Parteien zur bundesweit ersten grün-schwarzen Regierung zusammen. Dabei müssen beide Federn lassen.

Stuttgart. Nächtelang haben Grüne und CDU gerungen. Nun halten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und sein künftiger Stellvertreter Thomas Strobl (CDU) strahlend den Koalitionsvertrag in die Kameras. "Es ist mehr als der kleinste gemeinsame Nenner", lobt Kretschmann. Und Strobl sagt: "Wir haben uns nicht gesucht, aber wir haben uns gefunden, die Grünen und die Schwarzen." Nun müssen noch die Parteitage ihren Segen geben. Voraussichtlich am 12. Mai geht in Baden-Württemberg die bundesweit erste Regierung an den Start, die von einem Grünen angeführt und von der CDU als Juniorpartner mitgetragen wird. Für die Präsentation des Vertrags unter dem Titel "Baden-Württemberg gestalten: Verlässlich. Nachhaltig. Innovativ." haben sich die Koalitionäre einen symbolträchtigen Ort ausgesucht. Auf dem Campus Start-up in Stuttgart suchen kreative Köpfe nach innovativen Ideen. Das, so meinen Kretschmann und Strobl, passe zu Grün-Schwarz.

Auf dem Tisch stehen Körbe mit Obst - darunter sind auch viele aufgeschnittene Kiwis. Die Frucht mit grünem Fleisch und schwarzen Kernen ist zum Sinnbild für die neuartige Regierungskonstellation geworden. Dabei sah es nach der Landtagswahl am 13. März erst gar nicht danach aus, dass Grüne und CDU zueinander finden könnten. Kretschmann war der strahlende Sieger, seine Grünen holten 30,3 Prozent. Die CDU musste in ihrem Stammland einen Absturz auf 27 Prozent verkraften. Da auch die SPD in den Keller rutschte, reichte es nicht für die Fortsetzung von Grün-Rot. Als sowohl SPD und FDP einer Dreierkoalition eine Absage erteilten, war klar: Grüne und CDU mussten sich zusammenraufen, um eine Neuwahl zu vermeiden - von der wohl nur die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) profitiert hätte.

Jeweils fünf Ministerien


"Manchmal war es schon laut", bilanziert Strobl die Koalitionsverhandlungen. "Was selten ist", sagt Kretschmann unter dem Gelächter der Journalisten. Letztlich einigten sich die Koalitionäre auf je fünf Ministerien pro Partei. Die Grünen haben sich zum Beispiel in der Schulpolitik durchgesetzt. Die Gemeinschaftsschule, die die CDU bekämpfte, wird ausgebaut - manche bekommen sogar eine gymnasiale Oberstufe. Die Innere Sicherheit kann die CDU als Trophäe vor sich her tragen. Rund 1500 neue Polizeistellen sollen bis 2021 geschaffen werden.
Wir haben uns nicht gesucht, doch wir haben uns gefunden, die Grünen und die Schwarzen.CDU-Landeschef Thomas Strobl in Stuttgart bei der Vorstellung des grün-schwarzen Koalitionsvertrags
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