Grüne fürchten Folgen für Landtagswahlen
Entsetzen über Drogenfund bei Volker Beck

Auch innerhalb der Bundestagsverwaltung gibt es eine gut funktionierende Suchtberatung.

Volker Beck hat wegen des Vorwurfs von Drogenbesitz seine Ämter angeboten. Die Reaktionen schwanken zwischen Kritik und der Aufforderung, die Ermittlungen abzuwarten.

Berlin/Weiden. (dpa/nt/az) Nach dem mutmaßlichen Drogenfund bei Volker Beck (Grüne) haben führende Grünen-Politiker den Bundestagsabgeordneten kritisiert und sich um Schadensbegrenzung bemüht. "Es ist ja schon ein schweres Fehlverhalten", sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Donnerstag. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt erklärte den Konsum von Crystal Meth für nicht vereinbar mit der liberalen Drogenpolitik der Grünen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat den Fund von 0,6 Gramm "einer betäubungsmittelverdächtigen Substanz" bei Beck bestätigt. Der "Bild"-Zeitung zufolge soll es sich um die synthetische Droge Crystal Meth handeln. Beck stellte am Mittwoch seine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher der Fraktion sowie als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe zur Verfügung.

Nicht auf alle übertragen


Kretschmann sagte im ZDF-"Morgenmagazin", er wisse nicht, ob sich die Vorwürfe auf die drei Landtagswahlen am 13. März auswirkten. "Ich kann nur hoffen, dass jetzt solch ein einzelnes Fehlverhalten nicht auf alle übertragen wird. Davon gehe ich mal aus." Sein Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) sprach vom "individuellen Fehlverhalten" eines Kölners in Berlin. Beck stammt zwar aus Stuttgart, lebt aber in Köln, wo er seinen Wahlkreis hat. Bonde sagte, er sehe wenig Zusammenhang mit den Wahlkämpfen.

Göring-Eckardt sagte zur "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe): "Grundsätzlich gilt: Crystal Meth ist eine harte und gefährliche Droge und sie ist verboten. Das hat mit liberaler Drogenpolitik nichts zu tun." Beck hatte erklärt, er habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten. Dass Beck seine Ämter abgebe, sei richtig, aber ein Verlust für die Grünen, sagte Göring-Eckardt. Zugleich mahnte sie, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abzuwarten. Die Grünen-Politikerin Renate Künast sagte: "Schauen wir mal, um was es da eigentlich genau geht." Es sei keine schöne Sache. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sagte der "Welt" (Freitagsausgabe): "Volker Beck hat einen Fehler gemacht, da gibt es kein Vertun." Zugleich sagte sie: "Er hat vor allem sich selbst damit Schaden zugefügt." Auch mit Blick auf seine politischen Verdienste verdiene er einen fairen und respektvollen Umgang und keine Häme.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) würdigte den Verzicht Becks auf seine Ämter. Auf Twitter schrieb er: "In der Drogenpolitik bin ich anderer Meinung als die meisten Grünen. Aber Respekt für Volker Beck für die schnelle und klare Reaktion." Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) lehnte einen Kommentar ab. "Fakt ist jedoch, dass Crystal Meth eine hochgefährliche Droge ist", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgabe). "Auch innerhalb der Bundestagsverwaltung gibt es eine gut funktionierende Suchtberatung."

In ganzer Gesellschaft


Nach Darstellung der Suchttherapeutin Katjenka Wild aus Weiden konsumieren immer mehr Menschen in Deutschland Crystal Meth. Crystal Meth sei längst "keine Partydroge mehr, sie zieht sich durch die ganze Gesellschaft", sagte die Leiterin der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme. Ob Schüler oder Student, Anwalt oder Arzt, Angestellter oder Chef: In allen Alters- und Berufsschichten werde die Droge konsumiert. Es überrasche nicht, wenn auch Politiker Crystal Meth nehmen.
Auch innerhalb der Bundestagsverwaltung gibt es eine gut funktionierende Suchtberatung.Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) zum Fall Volker Beck
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