Grüne leiten Urwahl um Spitzenkandidatur ein
Absage an Flügelkämpfe

Vier von fünf Bewerbern als Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl 2017 bei den Grünen (von links): Anton Hofreiter, Cem Özdemir, Katrin Göring-Eckardt und Robert Habeck. Eine weitere Bewerberin ist die Brandenburgerin Sonja Karas. Bild: dpa

Berlin. Der Wahlkampf bei den Grünen ist eröffnet: Vier Anwärter auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2017 präsentierten sich am Samstag den Delegierten eines kleinen Parteitags in Berlin. Dabei rief Parteichef Cem Özdemir dazu auf, sich nicht in "irrsinnige Flügeldebatten" zu verstricken, sondern geschlossen aufzutreten. Koalitionsdiskussionen über Schwarz-Grün und Rot-Rot-Grün sollten erst nach der Wahl geführt werden. Özdemir ist einer der Anwärter auf die Spitzenkandidatur.

Er konkurriert mit Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter und dem schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck. Der Kieler Landespolitiker forderte die Partei auf, mit der gesamten Gesellschaft zu sprechen, nicht nur der Grünen-Wählerschaft. "Wir müssen wieder Bewegungspartei werden", sagte er - aber nicht gegen Staat und Institutionen, sondern für sie. Die Grünen müssten "raus aus dem eigenen Milieu" und Mehrheiten organisieren.

Hofreiter - einziger Kandidat der Parteilinken - prangerte angesichts der globalen Probleme den "Rückzug in die Nationalstaaten" an. Ohne die EU ließen sie sich nicht lösen, sagte er. Es sei Aufgabe der Grünen, offensiv die offene Gesellschaft zu verteidigen und für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und Frauen zu kämpfen. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte wie Özdemir, "bis zum Wahltag 2017" als eigenständige Partei um Stimmen zu werben. Die Grünen stünden für Chancengleichheit für alle, unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Göring-Eckardt ist die einzige weibliche Bewerberin auf einen Platz im Spitzenduo, die bereits das notwendige Votum eines Kreis- oder Landesverbands hat. Konkurrenz will ihr die weitgehend unbekannte Brandenburger Kommunalpolitikerin Sonja Karas machen, die nicht auftrat. Sie sei gestürzt, hieß es zur Begründung. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Grünen ihre Spitzenkandidaten per Urwahl bestimmen. Vor der Bundestagswahl 2013 hatte es monatelang Streit um die vordersten Listenplätze gegeben, der damit beendet wurde. Die Beteiligung aller Parteimitglieder - im Januar rund 59 000 - soll die Basis mobilisieren. Das Ergebnis wird im Januar feststehen, bis dahin stellen sich die Bewerber bei mehreren Urwahlforen vor.
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