Gut 35 Jahre nach dem Mord an Óscar Romero nimmt der Vatikan den Anwalt der Armen in den Kreis ...
El Salvador feiert seinen "Märtyrer der Liebe"

Während der Seligsprechungszeremonie werden die Relikte des 1980 erschossenen Erzbischofs Romero zum Altar getragen. Bild: dpa
"Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal erlebe", sagt Schwester Arely Marroquín. Für die Seligsprechung von Erzbischof Óscar Romero ist die Nonne vom mexikanischen Tijuana in ihre alte Heimat El Salvador gereist. Als die Seligsprechungsurkunde verlesen wird, gibt es für die Ordensfrau kein Halten mehr. Sie springt auf und jubelt: "Darauf habe ich so lange gewartet."

Gemeinsam mit Hunderttausenden Gläubigen feiert Marroquín am Samstag auf dem Platz Salvador del Mundo den neuen Seligen, der für viele Lateinamerikaner längst ein Heiliger ist. In einem der dunkelsten Kapitel der salvadorianischen Geschichte erhob er seine Stimme für die Armen und bot den korrupten Eliten die Stirn.

Schuss ins Herz

"Er verstand den Schmerz der Menschen", sagt Marroquín, die Romero als Mädchen persönlich kennengelernt hatte. Als im März 1980 Killer Romero während einer Messe mit einem Schuss ins Herz niederstrecken, bricht für sie eine Welt zusammen: "Sie haben meinen Helden getötet." In den Wirren des Bürgerkriegs floh Marroquín zunächst in die USA. Nun lebt sie bereits seit über 20 Jahren in Mexiko. Mit der Seligsprechung von Romero bricht für sie eine neue Zeitrechnung an. "Wir müssen beginnen, einander zu vergeben", sagt die Nonne. In der auch über 20 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs noch immer tief gespaltenen Gesellschaft hegen viele die Hoffnung, dass Romero die Salvadorianer einen könnte. "Das ist der Moment für eine wahre nationale Versöhnung", heißt es in dem apostolischen Schreiben, das Papst Franziskus nach El Salvador geschickt hat.

Friede auf der Ehrentribüne

Und tatsächlich feiern die Salvadorianer am Samstag gemeinsam ihren seligen Romero. Jugendliche in Tanktops und Großmütter im Sonntagsstaat jubeln Seite an Seite, als das riesige Porträt des Erzbischofs enthüllt wird. "Märtyrer der Liebe" und "Heiliger Romero von Amerika" ist auf Transparenten zu lesen. Selbst die strengen Militärpolizisten können sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Auf der Ehrentribüne sitzen die Vertreter der verfeindeten politischen Lager zusammen: Der frühere Guerillakommandeur und heutige Präsident Salvador Sánchez Cerén und der Bürgermeister von Santa Tecla, Roberto D'Aubuisson. Sein Vater hatte als Geheimdienstmajor einst den Mord an Romero in Auftrag gegeben. Ecuadors Präsident Rafael Correa, der honduranische Staatschef Juan Orlando Hernández und Panamas Präsident Juan Carlos Varela erweisen Romero die Ehre. "Erzbischof Romero hat die Menschen in El Salvador und auf dem ganzen amerikanischen Kontinent inspiriert", schreibt US-Präsident Barack Obama in seiner Grußbotschaft.

Der Erzbischof von San Salvador war eigentlich ein Konservativer, der mit der Sozialkritik der linken Befreiungstheologen zunächst wenig anfangen konnte. Als die Ungerechtigkeit in El Salvador aber immer offenkundiger wurde und die Gewalt immer weiter zunahm, machte er sich zum Anwalt der Unterdrückten. Noch einen Tag vor seinem Tod rief er die Soldaten zur Befehlsverweigerung auf.

Zwar ist der Bürgerkrieg lange vorbei, doch noch immer zählt El Salvador zu den gefährlichsten Ländern der Welt. Brutale Jugendbanden - die sogenannten Maras - haben den mittelamerikanischen Staat in ein Schlachtfeld verwandelt. Tatsächlich werden heute täglich mehr Menschen getötet als noch zu Zeiten des Bürgerkriegs.
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