Gut Wetter machen für Brexit-Verhandlungen
May lädt Juncker nach London ein

Am Donnerstag begrüßte die britische Premierministerin Theresa May vor ihrem Amtssitz in London Antonio Tajani, den Präsidenten des Europäischen Parlaments. Bild: dpa

Umfragen sagen der britischen Premierministerin May bei der Neuwahl am 8. Juni einen Sieg voraus. Wie sich das auf ihren Brexit-Kurs auswirken könnte, ist umstritten. Kommende Woche erwartet sie EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in London.

London/Brüssel. Einen Tag nach der Zustimmung des Parlaments zu Neuwahlen ist der Wahlkampf in Großbritannien bereits im vollen Gange. Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei gab sich trotz schlechter Umfragewerte zuversichtlich. Bei einem Wahlkampfauftritt am Donnerstag in London verwies er darauf, dass Meinungsumfragen sich in der Vergangenheit oft als falsch herausgestellt hätten. Als Brexit-Gegner will sich Corbyn nicht verstanden wissen. Forderungen nach einem zweiten Referendum über das Abkommen mit der EU erteilte er eine Absage.

May will Medienberichten zufolge einen harten Brexit in ihrem Wahlprogramm verankern. Das schrieb die konservative Boulevardzeitung "Daily Mail" unter Berufung auf Parteikreise. Demnach soll der Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt, der Zollunion und ein Ende der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs in Großbritannien zu den Wahlversprechen der Konservativen gehören. Der Bericht steht im Widerspruch zu Spekulationen, May könne sich nach einem Wahlsieg kompromissbereiter gegenüber der EU zeigen.

Die Premierministerin selbst nutzte derweil ein Treffen mit dem Präsidenten des EU-Parlaments, Antonio Tajani, in London, um gut Wetter für die anstehenden Brexit-Verhandlungen zu machen. Sie sei sich mit Tajani einig, dass die Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und von Briten in der EU bei den Austrittsverhandlungen Vorrang hätten, teilten beide Seiten nach dem Gespräch mit.

Kommende Woche erwartet May Jean-Claude Juncker in London. Der EU-Kommissionschef werde am Mittwoch in die britische Hauptstadt reisen, teilte eine Kommissionssprecherin mit. Als Begleiter seien Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier, Kabinettschef Martin Selmayr sowie Junckers diplomatischer Berater Richard Szostak vorgesehen.

Die Beratungen werden drei Tage vor dem Brexit-Sondergipfel in Brüssel stattfinden. Bei ihm wollen die verbleibenden 27 EU-Staaten die Leitlinien für die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien festlegen. Diese sollen im Juni nach der britischen Parlamentswahl beginnen und 2019 abgeschlossen sein.
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