Hakenkreuz-Schmierereien, Schlägertrupps und Pöbeleien: Seit einiger Zeit fühlt sich die ...
Rechtsextreme versetzen junge Sorben in Angst

Heute gibt es Zuzüge in das Siedlungsgebiet und Interesse am Erlernen der Sprache und Pflege des Brauchtums. Hier treiben junge Slawen in Festagstracht beim traditionellen Zapust, der sorbisch-wendischen Jugendfastnacht, in den Dörfern der Lausitz nach altem Brauch den Winter aus. Bild: dpa
Unter sorbischen Jugendlichen im sächsischen Ostro geht die Angst um. Seit Wochen. Am 13. September tauchten beim "Summer Ending Open Air", einer Tanzparty, plötzlich Neonazis auf. Eine Bekannte von Janek (Namen geändert) wurde von Rechtsextremen umzingelt, als sie von der Toilette kam. Für die junge Frau endeten die angstvollen Minuten erst, als sorbische Freunde auftauchten und sie herausholten.

Janek kennt die Täter aus Bautzen. "Man sieht die manchmal auf der Straße in kleinen Cliquen herumlaufen." Der Gymnasiast (18) weiß, dass einige in einem Bautzner Boxclub trainieren. Die Neonazis würden sich für ihre Attacken oft Partys aussuchen. "Die stehen nachts vor dem Eingang und greifen einzelne Jugendliche an, beispielsweise wenn sie zum Auto gehen." Die Neonazis kämen in Gruppen von 15 und 20 Leuten. Manchmal würden sie vorher "Spitzel" auf die Partys schicken, die Opfer ausspähen sollten.

Hakenkreuz-Schmierereien, maskierte Schlägertrupps, Pöbeleien: Viele junge Sorben können von solchen Vorfällen berichten. Seit einiger Zeit attackieren teils maskierte Täter in der Lausitz Jugendliche, die der Minderheit angehören. Inzwischen hat das für die Extremismus-Bekämpfung zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) in Sachsen die Ermittlungen übernommen.

Das OAZ geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um Rechtsextreme handelt und ermittelt wegen Nötigung und Beleidigung. Zudem liegen vier Strafanzeigen vor. Sorbische Ortsschilder wurden mit Farbe übersprüht, in einem Fall auch mit einem Hakenkreuz. Um die Jugendlichen zu schützen, ist die Polizei derzeit verstärkt am Wochenende oder bei Veranstaltungen im Einsatz. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), selbst Sorbe, verurteilt die jüngsten Übergriffe: "Die zunehmenden Angriffe werden von keinem toleriert. Die Polizei wird mit ihrem Einsatz dazu beitragen, dass die Täter schnellstmöglich gefasst werden."

Für den Bund Lausitzer Sorben, Domowina, ist Sorbenfeindlichkeit nicht neu. "Das zieht sich wie ein roter Faden durch unser Leben", berichtet der langjährige Vorsitzende Jan Nuck. Er selbst wurde in den 60er Jahren von einem deutschen Jugendlichen als "Sorbenschwein" beschimpft. Die Erfahrung, wegen ihrer Bräuche und der eigenen Sprache diskriminiert zu werden, haben viele Sorben gemacht.

Schmerzliche Erinnerung

Das Wort "Sorbenschwein" sei jüngst wieder öfter zu hören, berichten Jugendliche. Nucks Sohn Daniel (20) war Mitte Oktober dabei, als eine Gruppe Schwarzgekleideter bei einer Feier in Schönau auftauchte. Die Störer hätten sich Sturmmasken übergezogen und sorbische Jugendliche auf dem Weg zum Parkplatz verfolgt. "Diese Übergriffe erinnern uns schmerzlich an das Schicksal des sorbischen Volkes im Nationalsozialismus", sagt Domowina-Vorsitzender David Statnik. Damals sollten sich Sorben als Deutsche bekennen. "Ab 1937 war es verboten, in der Öffentlichkeit Sorbisch zu sprechen", berichtet der Direktor des Sorbischen Instituts in Bautzen, Dietrich Scholze. Angehörige der Minderheit seien aber auch zu DDR-Zeiten angepöbelt worden.

Daniel Nuck selbst lässt sich nicht einschüchtern. Wenn der Student abends ausgeht, dann allerdings immer in der Gruppe.
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