Hamburger gehen am Sonntag an die Urnen - Fast drei Viertel der Bürger würden Olaf Scholz ...
Auf dem Weg in die nächste Amtszeit

In den Tagen vor der Wahl zeigt sich der Himmel über Hamburg in dezentem Grau in Grau. Die Elbe vor der "Strandperle"-Bar plätschert gemächlich vor sich hin. Gelegentlich tritt der graue Fluss jetzt über die Ufer, aber nur ein wenig. Auf der anderen Elbseite wird ein Container-Koloss aus dem Hafen geschleppt. Auch der Wahlkampf schleppt sich dahin. Was bewegt diese Stadt?

Grau in Grau

Überall stehen die Plakate an den Straßen, viele wetterbedingt in kläglichem Zustand. Frierende Wahlkämpfer schimpfen auf das Wetter. Chef im Ring ist Hamburgs "Erster Bürgermeister" Olaf Scholz. Die Plakate des SPD-Politikers nehmen das Grau des Himmels auf und auch die fast schon sprichwörtliche Kargheit seiner Sprache: "Kitaplätze" steht da drauf oder "Wirtschaftskraft" oder einfach nur "Olaf Scholz". Sein Herausforderer von der CDU, Dietrich Wersich, wirkt schon vor der Wahl geschlagen. Kaum einer kennt ihn, noch weniger würden ihn direkt wählen, sagen Umfragen. Die FDP-Plakate mit dem neuen Pink finden viele besonders schrecklich.

Was sind die großen Themen in diesen Wochen? Der Politologe Jens Tenscher zuckt mit den Achseln. "Der Wahlkampf ist nahezu geräuschlos", sagt er. "Und es gibt keine Wechselstimmung in der Stadt. Die Hamburger scheinen damit zufrieden zu sein, wie es im Moment läuft." Ihn überrasche, dass nicht einmal die Olympia- Bewerbung ein Wahlkampf-Thema sei. Die Hansestadt bewirbt sich für die Spiele 2024 und konkurriert dabei mit Berlin. Im März will der Deutsche Olympische Sportbund sich entscheiden. Scholz ist von der Idee, Olympia an die Elbe zu bringen, begeistert, zumindest für seine Verhältnisse. Allerdings müssten mehrere Unternehmen mit 2000 Beschäftigten umgesiedelt werden.

Die SPD rühmt sich, alle Wahlversprechen eingelöst zu haben. Und die anderen Parteien geben sich weitgehend handzahm, weil sowohl Grüne als auch CDU und sogar die FDP sich als mögliche Koalitionspartner fühlen dürfen, sagt der Politologe Tenscher. Und wenn doch mal diskutiert wird? In einer Großstadt ist die Verkehrspolitik immer ein Thema. Da gibt es den Streit über die Fahrradstraße an der Alster. Oder das 260 Millionen Euro teure "Busbeschleunigungsprogramm".

Wenn aber derzeit jemand die Sozialdemokraten ärgern kann, dann Manfred Braasch. Der Geschäftsführer des BUND - eine Zeitung nannte ihn schon den heimlichen Oppositionsführer - stellt sich "König Olaf" immer wieder mit Klagen in den Weg. Die geplante Elbvertiefung liegt auf Eis, das Verwaltungsgericht verlangt, mehr gegen die Luftverschmutzung durch Stickstoffdioxide zu tun.

"Stimmung ist ganz gut"

Und sonst? Die Stimmung ist ganz gut", sagt Wirt Oliver Kammerer von der "Eppendorfer Grill-Station", während er Pommes-Mayo und einen halben Hahn rausgibt. "Eigentlich gibt's kaum Leute, die sagen: ,Is' ja alles so schlecht'." Um Politik gehe es hier ohnehin selten, sagt Kammerer. Fußball? "Das ist schon ein Trauerspiel." Und Olaf Scholz? "Wir hatten schon Schlechtere." Immerhin. Fast drei Viertel der Hamburger würden Olaf Scholz direkt wählen. "Die Zustimmung zur Politik des Senats ist hoch, und die persönlichen Umfragewerte für Senat und Bürgermeister sind bemerkenswert", sagt Scholz. "Sie beeindrucken mich."
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