Hannes Lachmann aus Weiden berichtet von seinen ersten Erfahrungen
Bayerns Türöffner in Prag

Die Repräsentanz des Freistaats Bayern liegt in Prag in bester Lage in der Altstadt. Archivbild: dpa

"Historisch" nannte Ministerpräsident Horst Seehofer die Eröffnung der Bayerischen Vertretung am 4. Dezember 2014 in Prag. Leiter ist Dr. Hannes Lachmann (35), der in Weiden aufgewachsen ist. Er freut sich über das große Interesse an der Repräsentanz.

Prag/Weiden. Das "Schaufenster Bayerns" soll die Vertretung des Freistaates in Tschechien sein. Leiter Hannes Lachmann erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung, wie die Akzeptanz der Repräsentanz in Prag ist und wie es mit seinen Sprach-Kenntnissen bestellt ist.

Herr Lachmann, die Repräsentanz liegt in der Prager Altstadt im historischen Stadtpalais. Hier soll nicht nur über Politik diskutiert werden, auch die Kultur soll ihren Raum finden. Ist Ihr Veranstaltungskalender schon randvoll?

Lachmann: Ich würde eher sagen er füllt sich ziemlich schnell: Den Startschuss gab letzte Woche unser Neujahrsempfang, zu dem die bayerische Europaministerin Dr. Beate Merk eingeladen hatte. Über 100 Akteure der bayerisch-tschechischen Zusammenarbeit waren dabei, darunter viele aus der Oberpfalz.

Bei der Eröffnung durch Ministerpräsident Horst Seehofer im Dezember letzten Jahres wurde auch über eine mögliche gemeinsame bayerisch-tschechische Kabinettssitzung laut nachgedacht. Sind solche Pläne schon ein wenig konkretisiert, können wir mit so einer historischen Sitzung in Ihren Räumen rechnen?

Lachmann: Es gibt noch keine allzu konkreten Pläne, denn sowas lässt sich ja nicht von heut auf morgen realisieren. Zunächst freuen wir uns erst mal auf einen Besuch des Tschechischen Premierministers in Bayern, Herr Sobotka wird dann vielleicht auch weitere Kabinettskollegen mitbringen.

Inwieweit sehen Sie sich in Ihrer neuen Funktion auch als Türöffner für deutsche Betriebe in Tschechien?

Lachmann: Auch über die Repräsentanz wollen wir die bayerische und tschechische Wirtschaft noch enger miteinander verknüpfen. Wir stehen daher in engem Kontakt mit den Wirtschaftsverbänden beiderseits der Grenze. Konkrete Investitions- oder Markteintrittsberatung können wir mit unseren Ressourcen hier aber nicht leisten. Dafür arbeiten wir eng mit der Delegation der Bayerischen Wirtschaft in Tschechien zusammen. Und es gibt ja zum Beispiel in Pilsen ein Büro von Bayern Handwerk International oder - als Anlaufstelle für die Oberpfälzer Unternehmen - das Regionalbüro der IHK Regensburg.

Beklagt wird in Tschechien seit langem ein enormer Mangel an Fachkräften. Ist das auch eine Chance für deutsche Arbeitnehmer? Wie sehen die Möglichkeiten aus, auf dem tschechischen Markt Fuß zu fassen?

Lachmann: Ich befürchte, dass da Tschechien und Bayern vor ähnlichen, auch demografischen Herausforderungen stehen: Es fehlen auch hier vor allem qualifizierte Fachkräfte im technischen Bereich. Ähnliches gilt für Ingenieure oder medizinisch-pflegerisches Personal.

Wie läuft denn der Publikumsverkehr in der Vertretung? Können Gäste in Prag auch ohne Anmeldung bei Ihnen vorbeischauen? Sind viele Oberpfälzer darunter?

Lachmann: Grundsätzlich steht unsere Repräsentanz allen offen. Schon jetzt bekommen wir viele Anfragen von Besuchergruppen, vor allem aus den grenznahen Regierungsbezirken. Alle sind uns willkommen, allerdings brauchen wir eine Voranmeldung, um sicherzustellen, dass wir hier sind und Zeit haben.

Wie haben denn die Tschechen selbst die Einrichtung aufgenommen? Wird die Vertretung in der Öffentlichkeit deutlich wahrgenommen?

Lachmann: Die tschechische Seite hat die bayerische Präsenz hier von Anfang an überaus positiv mitverfolgt und unterstützt. Dies gilt ebenso für die jetzige Regierung wie für das Vorgängerkabinett. Auch das öffentliche Echo ist sehr positiv. Das zeigen unsere tschechischen Gäste oder das breite und positive Medienecho in den Tagen um die feierliche Eröffnung durch Ministerpräsident Horst Seehofer.

Die Zeiten, in denen die Sudetendeutschen eine Entspannung des deutsch-tschechischen Verhältnisses torpediert haben, sind nicht lange her. Wie sieht denn jetzt Ihre Kontaktpflege zu den Vertriebenenverbänden aus?

Lachmann: Die Zusammenarbeit mit den Vertriebenenverbänden gehört natürlich auch zu unseren Aufgaben. In Bayern und hier vor Ort stehen wir mit ihnen in engem und sehr konstruktivem Kontakt. Das Interesse an unserer Repräsentanz war von dieser Seite von Anfang an groß.

Tschechisch gilt ja mit seinen sieben Fällen als nicht unbedingt einfach zu lernende Sprache. Wie steht es denn um Ihre Kenntnisse?

Lachmann: Da ich seit über 15 Jahren engen Kontakt mit Tschechen habe und an der Uni auch das Bohemicum absolviert habe, komme ich sprachlich mittlerweile problemlos zurecht. Das Schöne dabei ist, dass Tschechen ihre Sprache selbst für schwieriger halten als sie für uns Oberpfälzer eigentlich ist. Wer es also überhaupt probiert, der wird viel Bewunderung ernten!

Wie oft kommen Sie noch nach Weiden, Ihrer alten Heimatstadt?

Lachmann: Ich komme immer sehr gerne nach Weiden, schaffe es aber leider höchstens einmal im Monat. Vielleicht werden die Besuche häufiger, wenn die vielen Weidener, die sich schon jetzt für die Zusammenarbeit mit Tschechien engagieren, bald auch unsere Repräsentanz nutzen. Dann würden sich hier weitere Termine ergeben - genauso wie in unserer Repräsentanz in Prag.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.