Hans Maier und Heiner Geißler warnen vor Bruch der Union
Seehofer: Lasse mich nicht mundtot machen

"Getrennte Wege einzuschlagen, wäre verhängnisvoll." Zitat: Hans Maier (CSU)

Die Zerrüttung zwischen CDU und CSU geht tief. Seehofer und Schäuble beharken sich. Nun melden sich alte Kämpen wie Hans Maier und Heiner Geißler zu Wort.

München/Berlin. (dpa/KNA) Nach der harschen Kritik von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat CSU-Chef Horst Seehofer die Eigenständigkeit seiner Partei betont. "Die CDU kann gerne flächendeckend in 15 Landesverbänden jeden Tag zur Geschlossenheit mahnen. Aber ich gebe meine Überzeugung für die Zukunft unseres Landes nicht auf", sagte der bayerische Ministerpräsident den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" (Freitag). "Und da wird mich niemand mundtot machen."

Schäuble hatte der CSU "Attacken" gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen. "Wie in der Union miteinander umgegangen wird, ist ziemlich einseitig: Es gibt nichts Vergleichbares aus der CDU gegenüber der CSU, nicht im Ganzen und nicht gegenüber Einzelnen - null", kritisierte der Finanzminister im ZDF. "Ich habe überhaupt keine persönliche Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin", hielt Seehofer dagegen. "Angela Merkel und ich haben die wenigsten Probleme, wenn wir beide persönlich beieinander sind. Schwierig wird es immer, wenn andere die Bühne betreten."

Unionsfraktionschef Volker Kauder rief die zerstrittenen Schwesterparteien mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 zur Ordnung. Beide Parteien müssten "gemeinsam agieren, dann sind beide stark. Deswegen müssen die wöchentlichen Attacken auf die Kanzlerin aufhören", sagte Kauder. Die Führungen beider Schwesterparteien wollen am 24. und 25. Juni zusammen tagen, um die seit Monaten andauernde Entfremdung möglichst zu beenden.

Inzwischen sorgt sich auch der frühere bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU) um die Union. CSU und CDU seien derzeit dabei, sich auseinander zu entwickeln, sagte Maier am Freitag. Er hoffe sehr, dass sich beide Parteien noch auf ein gemeinsames Programm für die nächste Bundestagswahl einigten: "Getrennte Wege einzuschlagen, wäre verhängnisvoll." Wenn die CDU in Bayern anträte, wäre die stabile Mehrheit für die CSU dahin. Vor allem beklagte Maier den von einigen führenden Politikern seiner Partei angeschlagenen Ton in der Flüchtlingsdebatte. "Es darf nicht sein, dass das Ende der Willkommenskultur als ein Fest gefeiert wird." Mit Blick auf die AfD riet der Politikwissenschaftler zur sachlichen Auseinandersetzung. Die Rhetorik von Pegida und AfD zu übernehmen sei tödlich, warnte Maier.

Bereits am Donnerstag hatte der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler der CSU mit einem Bruch der Union und einem Antreten der CDU bei Wahlen in Bayern gedroht. "Wenn die CSU so weitermacht, wird irgendwann der Punkt kommen, wo der CDU nichts anderes übrig bleibt", sagte Geißler der "Passauer Neuen Presse".

Getrennte Wege einzuschlagen, wäre verhängnisvoll.Hans Maier (CSU)
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