HG. Butzko verkündet seine "Super Vision" im Nabburger Schmidt-Haus
Keiner bleibt verschont

Ein Stehtisch, ein Barhocker und die Kumpelmütze - mehr Equipment braucht HG. Butzko nicht, um seine "Super Vision" unter die Menschen zu bringen. Bild: Otto
Nabburg."Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen", ätzte dereinst Helmut Schmidt gegen politische Träumer. Ob der Altkanzler HG. Butzko kannte? Der hat sogar eine "Super Vision" - so heißt sein aktuelles Programm, das er am Samstag im Nabburger Schmidt-Haus vorstellte. Ein Arzt war nicht nötig, aber eine gesunde Portion Humor.

HG. Butzko ist ein Old-School-Kabarettist - bissig, pointensicher, politversiert. Ein Stehtisch, ein Barhocker und die Kumpelmütze, mehr Equipment braucht er nicht, um in einer 90-minütigen Tour de Force unter anderem die GroKo, die Wutbürger, Putin, die NSA, TTIP und den guten alten Kapitalismus in rotziger Ruhrpott-Lakonik einmal an der Nase quer durch das voll besetzte Schmidt-Haus zu ziehen. Keiner bleibt verschont.

Schmerzbefreiter Gauck

Und die besten Steilvorlagen gibt es von den Kritisierten selbst - seine Texte schreibt das Leben. Zum Beispiel die Geschichte vom "schmerzbefreiten Bundespräsidenten" Joachim Gauck, der gefordert habe, dass die Bundeswehr im Ausland mehr Verantwortung übernehmen solle - mit Gewehren, die "eine Trefferquote von sieben Prozent" hätten. Aber gut: wenn die Soldaten in den Krieg ziehen sollen, dann möge der Präsident bitte vorneweg marschieren. "Ich bin nur Kabarettist, der ist ein richtiger Komiker."

Selbstverständlich gab es auch eine Abreibung für Kanzlerin Angela Merkel, die das Aussitzen zum Politikstil erhoben habe. "Griechenland, Flüchtlingskrise - erst mal abwarten, dann nichts machen". Immerhin: Deutlich sei ihre Kritik an den Ausschreitungen gegen Flüchtlinge gewesen. Allerdings: "Wenn Angela Merkel sagt, dass eine aggressive fremdenfeindliche Stimmung in keiner Weise akzeptabel ist, dann bin ich doch sehr verwundert. Hätte nie für möglich gehalten, dass sie sich mal so klar von der CSU distanziert."

Kapitalismuskritik

Wer denkt, die SPD käme dem Träger des deutschen Kleinkunstpreises 2014 aus, sieht sich bald getäuscht. Mit Blick auf die immer weniger sichtbaren Konturen der Sozialdemokraten unter Sigmar Gabriel zitiert er Willy Brand: "Welchen Sinn macht es für einen Sozialdemokraten, an die Macht zu gelangen, wenn er hernach kein Sozialdemokrat mehr ist."

Wie ernst es Butzko mit seinen Texten ist, macht er mit seiner Systemkritik am Kapitalismus deutlich. "Haben wir wirklich geglaubt, wir könnten den Wohlstand in unserem Land durch Ausbeutung in Billiglohnländern gestalten, und die Ausgebeuteten würden in diesen Ländern bleiben?" Die Leute, die zur Zeit aus allen Himmelsrichtungen zu uns kämen, würden uns die Rechnung für unseren Lebensstil präsentieren.

Ja, HG. Butzko möchte die Welt verbessern, ist aber kein Besserwisser. Er möchte das Gute für die Menschen, ist aber in seiner scharfen Satire sicherlich kein Gutmensch. Und er ist überzeugt, dass sein Kabarett die Welt beeinflusst. "2002 haben 6000 Wähler Edmund Stoiber als Kanzler verhindert, die haben sich ihre Entscheidung in meinem Kabarett geholt. Beweisen Sie mir mal das Gegenteil."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.