Hilfe beim Suizid

Abgeordnete von CSU, CDU und SPD haben Voraussetzungen für einen Suizid todkranker Menschen mit Hilfe von Ärzten formuliert. Ihr Positionspapier löst unter anderem bei den Kirchen Besorgnis aus.

Ärzte in Deutschland sollen künftig nach einem Vorschlag mehrerer Bundestagsabgeordneter Beihilfe zur Selbsttötung leisten dürfen. Die Unionsabgeordneten Peter Hintze, Katherina Reiche (beide CDU) und Dagmar Wöhrl (CSU) sowie die SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach, Carola Reimann und Burkhard Lischka stellten am Donnerstag in Berlin ein Positionspapier vor. Die Abgeordnetengruppe beruft sich auf das "Selbstbestimmungsrecht des Patienten" am Ende des Lebens. Es sei ein "Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn aus dem Schutz des menschlichen Lebens ein staatlich verordneter Zwang zu Leiden wird". Hintze nannte als Bedingungen für Suizidbeihilfe, dass der Patient volljährig und voll einwilligungsfähig ist, unter einer organisch bedingten Krankheit leidet, die "irreversibel zum Tode" führt, und unter "schwerem Leidensdruck" steht.

Nicht für psychisch Kranke

Ein Todeswunsch aufgrund psychischer Erkrankungen oder aus anderweitigen Gründen schließt die Vorlage aus. Lauterbach betonte, dass die Regelung dem Arzt Rechtssicherheit geben solle. Derzeit ist die Beihilfe zum Suizid für Ärzte nach Standesrecht untersagt und kann je nach Ärztekammer zum Verlust der Approbation führen. Die Abgeordneten wollen nun die ausdrückliche Erlaubnis zivilrechtlich festschreiben, analog zur Patientenverfügung. Hintze nannte ein Verbot der organisierten Suizidbeihilfe richtig.

Die katholische Kirche zeigte sich besorgt. Der Vertreter der Bischöfe bei der Bundesregierung, Karl Jüsten, sagte, damit werde die Suizid-Beihilfe eine ganz normale weitere Option für das Lebensende. Auch die frühere evangelische Bischöfin Margot Käßmann warnte vor einer Legalisierung der Suizid-Beihilfe. "Es ist noch kein Arzt in Deutschland verurteilt worden, weil der Patient in Folge erhöhter Schmerzmedikamentierung starb", sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) den "Ruhr Nachrichten". "Aber ich kann mir nicht vorstellen, quasi auf Krankenschein das tödliche Gift herauszugeben." (Kommentar und Seite 8)
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