Hillary Clinton, Jeb Bush und der "Fluch" der Vorgänger

In New York hielt Hillary Clinton jetzt ihre erste große Wahlkampfrede. Sie will vor allem bei Mittelständlern und Minderheiten punkten. Bild: dpa

Reden und Massenkundgebungen gelten nicht als ihre Stärke. Aber wenn Hillary Clinton ins Weiße Haus will, muss sie auch da durch. Zuvor wird sie wohl einen Mann schlagen müssen, dessen Familie alte Bekannte der Clintons sind.

Für amerikanische Verhältnisse war der Auftritt schlicht. Keine Vorredner, kaum Show, und Konfetti oder Feuerwerk schon gar nicht. Hillary Clinton hat ihren ersten großen Wahlkampfauftritt absolviert - mit viel Jubel, viel Beifall, aber mit weniger Begeisterung oder Glamour. Hoffnungsträger treten anders auf.

"Gebt mir die Chance und ich werde für euch kämpfen", rief Clinton etwa 5000 Anhängern zu. Die waren sorgsam ausgewählt, Demonstranten mit den "falschen" Plakaten wurden von den Ordnern sofort hinausgeworfen. Die meisten Fans sahen Clinton allerdings nur von hinten. Weil es ein besseres Bild für die Dutzenden von Kameras war, sprach sie mit dem Rücken zu den meisten Anhängern.

Der zweite Versuch

Sie warf den Republikanern vor, nur Reiche begünstigt zu haben. "Ihr fragt, wann eure Familie dran kommt. Ich sage euch: jetzt!" Demokratie sei nicht nur für Milliardäre. "Amerika kann nur erfolgreich sein, wenn Ihr alle erfolgreich seid!" Sie versprach auch, Amerika zur "Supermacht der sauberen Energien" zu machen. "Ich kandidiere nicht für einige Amerikaner, ich kandidiere für alle Amerikaner!"

Es ist ihr zweiter Versuch. Vor acht Jahren kam sie nicht an einem jungen Hoffnungsträger namens Barack Obama vorbei. Jetzt präsentiert sie sich als Anwältin der Mittelschicht und von Minderheiten - keine schlechte Taktik in einem Land, in dem diese zusammen inzwischen die Mehrheit sind und sich immer mehr politisch artikulieren. Aber kann sie dem Latino aus der Bronx mit Mindestlohn, dem Philippiner aus Los Angeles mit drei Jobs oder dem Schwarzen aus Alabama wirklich klarmachen, dass sie deren Probleme kennt? Und lösen will? Und lösen kann?

Dichter dran an den Sorgen der einfachsten Amerikaner ist ihr, vielleicht, wichtigster Gegner bei den Republikanern allerdings auch nicht. Jeb Bush kennt keine materielle Not, er dürfte im Wahlkampf aber ein größeres Problem haben: Wenn er am Montag seine Kandidatur erklärt, muss er sich von seinem Bruder distanzieren, ohne ihn zu diskreditieren. Gerade tourte er durch Europa, um Weltläufigkeit und Erfahrung in der internationalen Diplomatie zu beweisen - die der Ex-Gouverneur von Florida im Gegensatz zur Ex-Außenministerin nun wirklich nicht hat.

Doch die Europäer überraschte der 62-Jährige: Während George Walker Bush vor 15 Jahren geografische Namen verwechselte und erfolgreich den Anschein erweckte, sich für kaum etwas außerhalb von Texas zu interessieren, beeindruckte der jüngere Bruder mit Wissen über Europa und seine Probleme. Interessiert, ja neugierig schien er, auch in Deutschland. Offenbar ist dieser Jeb Bush eher wie der Vater als der Bruder. George H. Bush, am Freitag 91 geworden, war als Präsident zwar glücklos, wurde als Außenpolitiker aber hoch geschätzt.

Fast so alt wie Reagan

So haben beide Kandidaten die Startvorteile, gut vernetzt, politisch erfahren und vor allem materiell hervorragend ausgestattet zu sein. Und beide haben den Fluch der Vorgänger, von denen sie loskommen müssen, ohne deren Anhänger zu verprellen. Bei Clinton kommt noch das Alter hinzu. 69 wäre sie bei der Wahl, so alt war bisher nur einer, Ronald Reagan vor 35 Jahren - und der hatte sich viel Kritik und Spott anhören müssen, in diesem Alter noch zu kandidieren.

Clinton versuchte es mit Humor. "Ich mag nicht die jüngste Kandidatin sein, aber ich werde die jüngste Präsidentin in der Geschichte der Vereinigten Staaten sein", rief sie den Begeisterten zu. "Und ihr werdet nicht sehen, dass meine Haare im Weißen Haus weiß werden." Pause. "Denn ich färbe seit Jahren."
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