Hintergrund

Das britische Wahlsystem kann überraschende Ergebnisse hervorbringen. Das Land ist in 650 Wahlkreise eingeteilt, so viele Sitze im Londoner Unterhaus sind zu vergeben. Es gilt ein reines Mehrheitswahlrecht. Abgeordnete werden nur die Kandidaten, die in ihrem Wahlkreis die meisten Stimmen haben. Es gibt, anders als in Deutschland, keine Parteilisten. So kann es passieren, dass Parteivorsitzende oder Anwärter auf Ministerämter keinen Sitz im Parlament bekommen.

Wahlforschern zufolge sind 56 Prozent der Sitze fest vergeben, da das Ergebnis in den Wahlkreisen klar ist. Viele Menschen gingen deswegen gar nicht zur Wahl, weil "ihr" Kandidat keine Chance habe und ihre Stimme auch seiner Partei nichts bringe. Die Briten haben es 2011 bei einem Referendum abgelehnt, das System zu ändern. Inzwischen sind 60 Prozent für eine Reform.

Profitieren können kleine Parteien, die regional stark sind. Etwa die schottische Nationalpartei SNP: In England, Wales und Nordirland tritt sie nicht an, in Schottland könnte sie mehr als 50 der 59 Wahlkreise gewinnen. So wäre die SNP wohl drittstärkste Kraft im Parlament, obwohl nur gut acht Prozent der Briten in Schottland leben. Einen Vorteil hat auch die Labour-Partei. Wenn sie gewinnt, dann häufig knapp, wenn sie verliert, dann deutlich. Damit würden weniger Stimmen für die Sozialdemokraten "verschwendet" als bei den konservativen Tories, erklärt Sozialwissenschaftler Robert Ford von der Universität Manchester.

Experten gehen davon aus, dass wie 2010 keine der großen Parteien eine absolute Mehrheit der Sitze bekommt. Liegen die Tories vorn und es würde mit den Liberaldemokraten zusammen reichen, dürfte es weitergehen wie bisher. Gewinnt Labour oder haben die Tories Probleme, ein Bündnis zu schmieden, könnte Labour-Chef Ed Miliband das Ruder übernehmen und sich von der SNP dulden lassen. Eine förmliche Koalition hatten beide Seiten ausgeschlossen. (dpa)
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