Historisches Treffen in Kuba
Papst trifft Patriarch

Papst Franziskus (oben) und Patriarch Kyrill I. Bilder: dpa

Es war ein Paukenschlag, für den Vatikansprecher Lombardi die Presse am Freitagmittag einbestellte: Erstmals trifft ein Papst einen Moskauer Patriarchen - auf dem "neutralen Boden" Kubas noch dazu.

Vatikanstadt. Schon seit 30 Jahren ist ein Gipfeltreffen von römischem Papst und Moskauer Patriarch immer wieder im Gespräch. Mehrmals gab es Geheimplanungen zu solchen Begegnungen, die jedoch stets im letzten Moment platzten. Nun der Paukenschlag: Der Kirchengipfel kommt endlich zustande, am 12. Februar auf Kuba. Patriarch Kyrill I. hält sich dort zu einem offiziellen Besuch auf, und Papst Franziskus macht einen Zwischenstopp auf dem Weg zu seinem Besuch in Mexiko.

Drei Stunden Zeit


Das historische Kirchentreffen, das am Freitagmittag gleichzeitig im Vatikan und in Moskau angekündigt wurde, soll insgesamt rund drei Stunden dauern. Kyrill begibt sich zum Jose-Marti-Flughafen von Havanna, wo der Papst gegen 14.00 Uhr Ortszeit aus Rom kommend eintrifft. Nach einem protokollarischen Empfang durch Staatspräsident Raul Castro ziehen sich Franziskus und Kyrill zunächst zu einem "privaten Gespräch" in ein Flughafengebäude zurück; dafür sind rund zwei Stunden veranschlagt.

Danach begeben sich die Kirchenoberhäupter in einen Nebenraum, wo sie in Anwesenheit ihrer Delegationen eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Dazu gehören für den Heiligen Stuhl der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch und für die Orthodoxie der Moskauer Außenamtschef Metropolit Hilarion. Nach einer erneuten kurzen Begegnung mit Castro setzt Franziskus seinen Flug nach Mexiko fort.

Ein Treffen von Papst und Moskauer Patriarch schien bislang kaum erreichbar. Im Prinzip sei eine Begegnung zwar denkbar, hieß es auf beiden Seiten. Aber Moskau betonte, dass zunächst eine Reihe offener Probleme gelöst werden müsse. Daher seien die Vorbereitung und der Weg zu einem solchen Treffen hin viel wichtiger als das Datum selbst, lautete die Sprachregelung.

Franziskus war Moskau seit seinem Amtsbeginn mehrfach entgegengekommen: Er sei zu einem Treffen mit Kyrill an jedem beliebigen Ort und zu jeder Zeit bereit, betonte er. Und so hieß es auch seit einiger Zeit, eine Begegnung sei jetzt eher möglich als noch unter Johannes Paul II. (1978-2005). Damals galt auch dessen polnische Herkunft angesichts der russisch-polnischen Verstimmungen als ein Hinderungsgrund.

Probleme in der Ukraine


Problem Nummer eins war dabei die Lage der mit Rom unierten Kirche in der Ukraine. Nach ihrer Auflösung unter Stalin war sie nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion wieder an die Öffentlichkeit getreten und forderte alte Rechte und alten Besitz auch von der Orthodoxie zurück. Zudem sah Moskau in der Errichtung von vier katholischen Diözesen 2002 einen Affront.

Dass eine Begegnung zwischen Franziskus und Kyrill jetzt zustande kommt, dürfte auch mit dem Ökumene-Verständnis des derzeitigen Papstes zu tun haben. Für ihn stehen menschliche Begegnung, Freundschaft und Verständnis, aber auch praktische Zusammenarbeit für die großen Menschheitsfragen wie Frieden, Gerechtigkeit oder Bewahrung der Schöpfung stärker im Vordergrund als theologische Dispute.
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