Hochprozentiges an 16-Jährige ausgeschenkt
Saufen, bis die Polizei kommt

Amberg. (tk) Christian Klostermann sucht gar nicht erst nach Entschuldigungen oder Ausreden. Der Wirt des UNS 5 gibt offen zu, dass am Wochenende in seinem Lokal Hochprozentiges an 16-Jährige ausgeschenkt wurde. Die Schuld sieht er aber nicht nur bei sich.

"Die waren bei mir. Dazu stehe ich auch", sagt Christian Klostermann, als er auf die minderjährigen Schülerinnen angesprochen wird, sie sich in seinem Lokal in der Unteren Nabburger Straße 5 (UNS 5) mit hochprozentigem Alkohol versorgen ließen. Mit Blick auf das Jugendschutzgesetz lässt der Wirt seit Jahren Türsteher aufmarschieren, doch das geschehe erst gegen 23 Uhr.

Die Mädchen, die von Polizeibeamten mit Longdrinks erwischt wurden, mussten schon zuvor in die Kneipe gekommen sein. Doch: "Trotz aller Kontrollen schlüpft immer mal wieder jemand durch", sagt Klostermann, der für das "fehlerhafte Verhalten" die Konsequenzen tragen und die Strafe akzeptieren wird: "Ich muss jetzt in den sauren Apfel beißen und das mache ich auch."

"Werden kriminalisiert"

Gegen einen Eindruck, der in der Öffentlichkeit immer wieder entstehe, wehrt sich der Amberger aber mit aller Entschiedenheit. Er sei es mittlerweile leid, kriminalisiert zu werden, wenn sich Eltern nicht um ihre Kinder kümmern und es findigen Jugendlichen gelingt, die Bedienungen auszutricksen: "Wir sind auch dann schuld, wenn ein 20-Jähriger einer 16-Jährigen einen Drink bezahlt."

Klostermann geht davon aus, dass Jugendliche immer einen Weg finden werden, sich mit Alkohol zu versorgen. Das geschehe oft, aber nur selten in Kneipen, denn: "Die gehen in den Untergrund oder trinken sich zu Hause einen an." Einen Erwachsenen, der Minderjährigen Hochprozentiges besorge, gebe es immer. Doch darüber spreche niemand.

Polizeisprecher Dieter Muschler sieht es kaum anders. Oft lasse sich gar nicht nachvollziehen, woher die Jugendlichen den Wein oder Schnaps haben: "Die versorgen sich teilweise selbst." Aber auch Erwachsene würden ihnen den Alkohol besorgen. Einer Verkäuferin im Supermarkt oder an der Tankstelle könne man deswegen keine Vorwürfe machen. Schließlich wüssten sie nicht, dass die Dosen und Flaschen später an Minderjährige weitergegeben werden.

Zahlen eher rückläufig

Muschler ist es auch, der etwas beruhigen kann. Nach Rücksprache mit dem Jugendpräventionsbeamten der Polizeiinspektion teilte er auf Nachfrage mit, dass es in den vergangenen Jahren bei den Einsätzen wegen betrunkener Jugendlicher keine signifikante Steigerung gegeben habe. Im Gegenteil: Fälle, wie sie vor vier Jahren für Schlagzeilen sorgten, gebe es so nicht mehr. Im Sommer 2010 hatte die Polizei gemeldet, dass sie einen 14-Jährigen mit 1,7 Promille und eine Sechstklässlerin mit Vollrausch aufgefunden habe.

Damals wurde jeweils das Jugendamt eingeschaltet. Dessen Leiter Richard Donhauser sieht im Moment keinerlei Gründe, die Alarmglocken lauter als sonst schlagen zu lassen: "Die letzten zwei, drei Jahre ist es ruhiger geworden." Die Zahl der Bußgelder, die wegen alkoholisierter Minderjähriger verhängt werden, sei sogar rückläufig.

Christian Klostermann hat aus den Vorfällen vom Wochenende seine Schlüsse gezogen. Nun fangen die Türsteher um 22 Uhr an. Eine Stunde früher als bisher.
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