Hohe Hürden mit Hintertür

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Die Fracking-Revolution dürfte ausfallen - auch wenn die Gasreserven groß sind. Nun liegt ein Gesetzentwurf vor, der die Konzerne nicht jubeln lassen dürfte. Das letzte Wort ist aber noch lange nicht gesprochen.

Sie haben sich so viel Mühe gegeben. "Wenn's denn der Sache dient, dann trinken wir das jetzt", sagt Harald Kassner vom Energiekonzern Exxon Mobil. Zusammen mit zwei Mitarbeitern schüttet er sich etwas von dem Chemie-Wasser-Gemisch ein. Dann kippen die drei den Cocktail herunter. Sie schauen nicht gerade begeistert aus. 99,8 Prozent Wasser, sowie etwas Cholinchlorid und Butyglycol soll der Mix enthalten. Das sei nicht giftig oder umweltgefährdend, meint Kassner.

Die Szene aus einem Fernsehbeitrag des ARD-Magazins "Panorama" war ein Höhepunkt in der deutschen Fracking-Werbeschlacht. Der Chef von Exxon Mobil Deutschland, Gernot Kalkoffen, warb zuletzt in großen Anzeigen für die Gasförderung in Schiefer- und Kohleflözgestein, dank der neuen, ungefährlichen Frac-Flüssigkeit mit biologisch abbaubaren Stoffen. "Deutschland hat noch für viele Jahrzehnte eigenes Erdgas - insbesondere das heimische Schiefergas", betonte Kalkoffen. Geoforscher Rolf Emmermann schätzt, dass der Gasbedarf bis zu zwölf Jahre gedeckt werden könnte. Ohne Schiefergasförderung wäre Deutschland in zehn Jahren vollständig von ausländischen Erdgaslieferungen abhängig.

Doch alles Buhlen um Bürger und Politik hat nur begrenzt genutzt. Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) liegt nun ein Gesetzentwurf vor. Darin sind nun so viele Hürden eingebaut, dass den Konzernen das Geschäft verleidet werden könnte. "Oberste Priorität haben der Schutz von Umwelt und Trinkwasser", so Hendricks.

Gas-Fracking auf Sparflamme

Während das zum Beispiel in Niedersachsen seit 50 Jahren angewandte konventionelle Fracking aus kleinen Hohlräumen (Tight Gas) in teilweise über fünf Kilometer Tiefe unter strengen Auflagen (Umweltverträglichkeitsprüfungen) weiter möglich sein soll, soll es das unkonventionelle Fracking maximal auf Sparflamme geben. Ein erster Anlauf war unter Schwarz-Gelb gescheitert.

Bei der Fördermethode, die in den USA zu sinkenden Energiepreisen beigetragen hat, wird durch das Einpumpen der Frac-Flüssigkeit das Gestein mit hohem Druck aufgebrochen. Risse entstehen, aus denen das dort befindliche Gas entweicht. Umweltschützer warnen, dass neben der eingesetzten Flüssigkeit weitere schädliche Stoffe im Gestein gelöst und nach oben gespült werden.

Das Gesetzeswerk macht eine Genehmigung fast zum unkalkulierbaren, langen Hürdenlauf, auch wenn die Grünen Hintertüren wittern. Fracking wird in allen sensiblen Gebieten zur Trinkwassergewinnung und des Naturschutzes ausgeschlossen, betont das Umweltministerium. Außerhalb dieser Gebiete werden oberhalb von 3000 Metern Vorhaben im Schiefer- und Kohleflözgestein grundsätzlich - und unbefristet - verboten. Unterhalb sind in der Regel keine entsprechenden Vorkommen.

Aber ein komplettes Verbot gibt es nicht: Unternehmen können bei der Berg- und Umweltbehörde einen Antrag auf eine Probebohrung stellen. Die Bohrung begleitet eine Expertenkommission, die eine folgende kommerzielle Ausbeutung des Vorkommens bewilligen muss. Die Landesbehörden müssen das Votum aber nicht übernehmen. Zudem muss eine weitere Kommission die Frac-Flüssigkeit als harmlos und umweltverträglich einstufen. Die 3000-Meter-Grenze gilt für die Vorhaben nicht. Man darf gespannt sein, wie viele Anträge gestellt werden.
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