Hollande sucht Helfer

Im Kampf gegen die IS-Terrormiliz vereint: Großbritanniens Premier David Cameron (links) und Frankreichs Präsident François Hollande. In den nächsten Tagen will Hollande auch Russland mit ins Boot holen. Bild: dpa

Er steht nach den Anschlägen von Paris im Zentrum der internationalen Diplomatie: Frankreichs Präsident Hollande will Moskau und den Westen im Kampf gegen die IS-Terroristen vereinen - der Ausgang ist offen.

Als er noch Parteichef war, galt François Hollande als "Mann der Synthese" zwischen den zerstrittenen Flügeln der französischen Sozialisten. Der Spitzname war nicht immer positiv gemeint, aber die Fähigkeit zum Brückenbauen kann der Präsident nun gut gebrauchen. Nach einer Woche des Terror-Krisenmanagements hat für den 61-Jährigen ein diplomatischer Dauerlauf begonnen. Zwischen Washington, Paris und Moskau will Hollande erst den Westen und Russland zu einem Bündnis gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zusammenführen, bevor mit dem UN-Klimagipfel eine ganz andere Baustelle sein Verhandlungsgeschick fordert. Bis Sonntag spricht Hollande mit den wichtigsten Männern der UN-Vetomächte, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Mittwoch zum Abendessen geladen.

Allianz gegen IS

Die Sozialisten bejubeln ihren Staatschef bereits als großen Bündnisstifter. Parteichef Jean-Christophe Cambadélis spricht von einer Art "Jalta" gegen den IS - in dem Krim-Badeort trafen sich 1944 die Staatschefs der Alliierten im Kampf gegen Nazi-Deutschland. "Heute wird die ganze Welt sich klar, dass es nicht mehr darum geht, Daesh (IS) einzugrenzen, sondern es zu zerstören", sagte er der Zeitung "Le Figaro".

Doch trotz der Solidaritätsbekundungen nach den blutigen Anschlägen von Paris mit 130 Toten ist eine Gemeinschaftsfront gegen die Islamisten keineswegs ausgemacht. Das weiß auch Hollande, als er am Montag mit dem britischen Premier David Cameron vor dem Anschlagsort "Bataclan" den Kopf senkt. Der Brite würde seine Luftschläge gern auf Syrien ausweiten, wenn denn nur das eigene Parlament mitzieht.

Bei Barack Obama, den Hollande heute trifft, sind die Dinge komplizierter. Der US-Präsident zweifelt an der Wirksamkeit von noch mehr Luftangriffen, für seine Strategie steht er im eigenen Land in der Kritik. Der russische Präsident Wladimir Putin, bei dem Hollande am Donnerstag vorspricht, will nach dem Anschlag auf ein russisches Flugzeug zwar gemeinsam mit Frankreich kämpfen. Doch die Rolle von des syrischen Machthaber Baschar al-Assad steht als Hindernis im Raum. Die Russen stützen die syrische Regierung, während der Westen an der Seite moderater Rebellengruppen steht.

Allerdings werden auch die Probleme deutlich: Letztlich könne IS nur am Boden besiegt werden, sagt Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian - doch den Einsatz von Bodentruppen schließt Frankreich aus. Trotz Intensivierung seiner Angriffe hat Frankreich nur begrenzten militärischen Einfluss - der Großteil der Luftschläge kam von US-Kampfflugzeugen. Selbst mit dem Flugzeugträger "Charles de Gaulle" hat Frankreich nicht einmal halb so viele Flugzeuge in der Region wie Russland.
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