Hunderttausende Angebote für Smartphones und Tablets: Großes Potenzial, aber noch wenig echter ...
Schlechte Noten für Gesundheits-Apps

Inzwischen stehen unzählige Medizin- und Gesundheits-Apps zum Download bereit. Doch was bedeuten die Kurven? Den ärztlichen Rat können die Apps meistens nicht ersetzen. Bild: dpa
Für viele Diabetes-Patienten in Deutschland hat das digitale Zeitalter längst begonnen: Statt ihre Blutzuckerwerte regelmäßig per Hand in eine Kladde zu schreiben, um sie später mit dem Arzt besprechen zu können, übernimmt eine Smartphone-App das Protokoll. Das Programm liest dabei nicht nur drahtlos die Informationen aus dem Messgerät aus, sondern erinnert den Patienten bei Bedarf auch daran, sich zur richtigen Zeit Insulin zu spritzen. Der Arzt kann die gemessenen Daten direkt in seine Systeme übernehmen, wenn der Patient das wünscht.

Doch die Suche nach einer geeigneten App ist für die rund sieben Millionen Diabetiker in Deutschland recht kompliziert. Das zeigt eine Studie des Universitätsklinikums Freiburg, bei der Medizin-, Gesundheits- und Lifestyle-Apps unter die Lupe genommen wurden. So kann man beispielsweise für Smartphones mit dem Betriebssystem Android alleine unter 22 deutschsprachigen und kostenlosen Angeboten wählen. Davon haben allerdings nur drei Apps von den Experten durchweg gute Noten erhalten. Sie informieren die Patienten nicht nur über die Ursachen von Diabetes und dokumentieren die Messwerte, sondern geben den Betroffenen durch ein individuelles Feedback Anreize, sich gesundheitsförderlich zu verhalten. Andere Apps wurden aber durch mangelhafte Datenschutz-Erklärungen oder ein fehlerhaftes Impressum abgewertet. Das Beispiel der Diabetes-Apps zeigt: Smartphone-Apps und Internet-Dienste haben das Potenzial, die Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland positiv zu beeinflussen, doch noch werden diese Chancen nicht umfassend genutzt. Bei der Bevölkerung ist die Bereitschaft jedenfalls vorhanden, sich auf Gesundheitsdienste im Netz und Apps einzulassen. Das ergab eine Umfrage, die von der Techniker Krankenkasse (TK) in Auftrag gegeben wurde. Drei von vier Befragten sagen, dass sie vorwiegend oder ausschließlich online nach Gesundheitsinformationen suchen. Mehr als jeder Zweite (52 Prozent) gab an, mit einem Arzt über das Internet in Kontakt treten zu wollen.

Deutlich geringer fällt die Bereitschaft aus, seine Gesundheitsvorsorge und die Speicherung von medizinischen Daten umfassend online zu organisieren. Immerhin jeder Dritte möchte kostenlos per E-Mail an anstehende Früherkennungs- und Vorsorge-Termine erinnert werden. Doch bei den Gesundheits-Apps für das Smartphone, die helfen sollen, gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden, schrumpft die Zustimmung im Trendmonitor der TK auf magere 7 Prozent.

Dahinter steht auch das Misstrauen, ob die Daten ordentlich geschützt sind und nicht in falsche Hände fallen können. "Der Schutz der Sozialdaten ist extrem wichtig", sagte Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse. Ohne die Namen Google und Apple in den Mund zu nehmen, stellte er in Frage, ob die beiden US-Konzerne geeignet seien, die "digitalen Schätze" der Versicherten zu hüten.
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