„Hyper-Sarko“ verlässt die politische Bühne
Au revoir, Nicolas

Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy träumte von einem Comeback, um Frankreich vor islamistischem Terror und weiterem Bedeutungsverlust zu retten. Doch die Anhänger der Konservativen wollen ein neues Gesicht. Bild: dpa

Paris. Langeweile, Spott und gelegentlich auch Verachtung: Die Mimik von Nicolas Sarkozy verriet deutlich, dass er für Vorschläge seiner Widersacher der bürgerlichen Rechten nicht viel übrig hat. In drei langen TV-Debatten lautete seine Botschaft: Ich bin der einzige Anwärter der Rechten, der im Élyséepalast regiert hat, von 2007 bis 2012. Er, der Weitgereiste und Erfahrene, erweckte den Eindruck, die Vorwahl der Konservativen sollte für ihn nur eine mit Nervenkraft zu meisternde Zwischenstation sein. Für einen wie "Sarko" gibt es im Land den Ausdruck "animal politique" - wörtlich "politisches Tier", vielleicht am besten mit "Vollblutpolitiker" zu übersetzen.

Martialischer Ton


Die Rechnung des gelernten Anwalts ging nicht auf, obwohl Tausende Anhänger zu seinen Auftritten kamen und sein Buch "Tout pour la France (Alles für Frankreich)" sich gut verkauft. Bei den Reizthemen Anti-Terror-Kampf und Einwanderung schlug der 61-Jährige harte Töne an, um auch bei Anhängern der rechtsextremen Front National (FN) zu punkten. Wie deren Chefin Marine Le Pen versuchte er, einen Keil zu treiben zwischen "das Volk" und seinen Eliten. In der ersten Vorwahlrunde, bei der mehr als vier Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben haben, setzte sich dann ausgerechnet François Fillon (62) durch. Er diente Sarkozy lange Jahre - gelegentlich mit schmerzhaft verzogenen Mundwinkeln - als Premierminister. Sarkozy nannte ihn einmal seinen "Mitarbeiter". Nach der Niederlage kündigte der frühere Staatschef seinen Rückzug an: "Es ist Zeit für mich, ein Leben mit mehr privater und weniger öffentlicher Leidenschaft zu beginnen." Der Ton des Kandidaten war oft martialisch. Er wolle das "große Frankreich" wiederherstellen und "die Interessen Frankreichs vertreten". Wie der designierte US-Präsident Donald Trump strebte er an, den schweigenden Teil der Gesellschaft zu vertreten. Die Wahl des Republikaners sah er als Chance, dass Frankreich und Europa auf der internationalen Bühne wieder an Geltung gewinnen könnten. Seine Zeit im Élyséepalast war von internationaler Finanzkrise und Schadenbegrenzung in Europa geprägt. Nach anfänglichem Zögern arbeitete er sehr eng mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen. In dem Buch "Tout pour la France" plädiert er dafür, die Eurozone mit insgesamt 19 Ländern unter deutsch-französische Führung zu stellen.

Gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft urlaubte Sarkozy bei reichen Freunden, die Bezeichnung "Bling-Bling" blieb bis zum Ende hängen. Mit seiner neuen Frau Carla Bruni war er in den Klatschspalten internationaler Medien präsent. Wegen seiner Rastlosigkeit wurde er "Hyper-Präsident" genannt. Nach dem Abschied aus dem Élyséepalast wurde ihm aber vorgeworfen, zwar viele Reformen versprochen, aber nur wenige zu Ende gebracht zu haben. Sarkozy wird von mehreren Affären belastet. Kurz vor dem Votum gab es neue Vorwürfe, wonach aus Libyen Geld für seinen Wahlkampf 2007 geflossen sein soll. Er wies die Anschuldigungen zurück. Zur Finanzierung des Wahlkampfs 2012 gibt es Justizermittlungen. Ob es einen Prozess gibt, ist offen. Sarkozy fuhr einen restriktiven Kurs in der Einwanderungspolitik. Er selbst hat jedoch einen kosmopolitischen Familienhintergrund. Sein Vater stammt aus Ungarn, seine Mutter hat griechische Wurzeln.

Es ist Zeit für mich, ein Leben mit mehr privater und weniger öffentlicher Leidenschaft zu beginnen.Nicolas Sarkozy
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