Immer mehr Übergriffe von Wachleuten auf Flüchtlinge
Misshandlungen in zwei weiteren Asylheimen

Ich bin fassungslos, dass so etwas passieren kann, und ich schäme mich dafür, was den Menschen dort geschehen ist. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

Der Skandal um Misshandlungen in Flüchtlingsheimen weitet sich aus. Es begann mit schockierenden Bildern gedemütigter Flüchtlinge im Siegerland. Jetzt werden immer mehr Übergriffe privater Wachleute in Notunterkünften bekannt. Die Bundesregierung erwartet Aufklärung.

Der Skandal um Übergriffe privater Sicherheitskräfte auf Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen zieht immer weitere Kreise. In mindestens drei Unterkünften soll es zu Misshandlungen gekommen sein. In Burbach im Siegerland stieg die Zahl der beschuldigten Wachmänner von vier auf sechs, hinzu kamen am Montag Verdachtsfälle in Essen und Bad Berleburg.

"Ich bin fassungslos, dass so etwas passieren kann, und ich schäme mich dafür, was den Menschen dort geschehen ist", sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Innenminister Ralf Jäger (SPD) kündigte an, sofort mehr Personal für die Überwachung der Standards in den Flüchtlingsheimen bereitzustellen. Im Fall Burbach habe man anhand ihrer Stimmen die beiden Wachmänner ermitteln können, die einen Flüchtling gezwungen haben sollen, sich auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze zu legen, sagte der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim.

Ein Handy-Video von dem Vorfall hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Außerdem hatte die Polizei ein Handy-Foto gefunden, auf dem zu sehen ist, wie ein Sicherheitsmann einem gefesselt am Boden liegenden Flüchtling den Stiefel in den Nacken setzt, ein Kollege schaut grinsend zu.

In Bad Berleburg, ebenfalls im Siegerland, werde gegen zwei 30 und 37 Jahre alte Wachmänner wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. In Essen sollen Sicherheitskräfte Flüchtlinge geschlagen haben. Die Polizei ermittelt nach Anzeigen wegen Körperverletzung in zwei Fällen, wie ein Sprecher am Montag sagte.

Der Misshandlungsskandal wird am Donnerstag den Düsseldorfer Landtag beschäftigen. Die Opposition und die Regierungsfraktion der Grünen sprachen von einer "Schande für Nordrhein-Westfalen". NRW-CDU-Chef Armin Laschet machte die rot-grüne Landesregierung mitverantwortlich: "Die Regierung hat die Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen, wie das erforderlich wäre."

Nach den Misshandlungsvorwürfen in Nordrhein-Westfalen lässt Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) die Regeln für den Einsatz privater Sicherheitsdienste in bayerischen Unterkünften überprüfen. Im Freistaat sind nach Angaben des Ministeriums bisher aber keine derartigen Vorkommnisse bekannt.
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