In die Wüsten Malis

Ein Tornado der Bundeswehr wird am im Bundeswehrlager Camp Marmal in Masar-i-Scharif nach einem Aufklärungsflug überprüft. Archivbild: dpa

Eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Mali ist schon länger geplant. Nach der Terrorserie in Paris bekommt sie aber eine neue Bedeutung. Möglicherweise werden noch weitere Zeichen der Solidarität mit Frankreich folgen.

Das Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Terrorserie von Paris ließ an Klarheit nichts vermissen: "Jedwede Unterstützung" sagte die CDU-Chefin Frankreich zu. Jetzt wird dieses Versprechen konkret. Fast 700 Soldaten zusätzlich will Deutschland nach Mali und in den Irak schicken, um damit den EU- und Nato-Bündnispartner zu entlasten. Das ist aber möglicherweise noch nicht alles.

Was bietet Deutschland an? 650 Soldaten sollen sich an der Friedenssicherung im gefährlichen Norden des westafrikanischen Wüstenstaats Mali beteiligen - bisher sind es nur zehn. Die Bundeswehr soll sich in der UN-Truppe Minusma mit 10 000 Soldaten um Logistik und Aufklärung kümmern. Zudem soll der Einsatz zur Ausbildung der Peschmerga im Nordirak ausgeweitet werden. Statt 100 sollen künftig bis zu 150 Soldaten teilnehmen.

Worum geht es in dem Konflikt in Mali? Im Jahr 2012 kam es zu einem Aufstand im Norden Malis, an dem Tuareg-Kämpfer und islamistische Gruppierungen wie Al-Kaida im Maghreb und Ansar Dine beteiligt waren. Zwischenzeitlich brachten die Islamisten große Teile Malis unter ihre Kontrolle und wurden erst durch Intervention der früheren Kolonialmacht Frankreich zurückgedrängt. Inzwischen haben die Rebellengruppen mit der Regierung in der Hauptstadt Bamako ein Friedensabkommen unterzeichnet. Trotzdem kommt es zu Anschlägen.

Wie gefährlich wird der Einsatz? Es wird wohl der gefährlichste Einsatz der Bundeswehr neben Afghanistan werden. Zwar wird die Bundeswehrtruppe vor allem für Aufklärung und Logistik zuständig sein, muss sich aber auch selbst gegen Angriffe schützen. Die UN-Truppen sind in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehrfach Ziel von Anschlägen geworden. 56 Blauhelmsoldaten kamen ums Leben. Das Verteidigungsministerium stuft die Sicherheitslage im Norden Malis als "gefährlich" ein.

Ist die Ausweitung der Bundeswehreinsätze eine Reaktion auf die Anschläge in Paris? Die Beteiligung an der UN-Mission Minusma in Mali war schon vor den Anschlägen geplant. Eine Größenordnung war allerdings nicht bekannt. Möglicherweise wäre die deutsche UN-Truppe ohne den Terror in Frankreich etwas kleiner ausgefallen. Von der Ausweitung des Ausbildungseinsatzes im Irak war vor Paris noch keine Rede.

Werden die beiden Einsätze die Franzosen tatsächlich entlasten? Nur indirekt. Frankreich ist an der UN-Mission in geringem Maße beteiligt. Auf die französische Anti-Terror-Mission "Barkhane" mit 3000 Soldaten in fünf Ländern der Sahelzone - darunter Mali - wird die Verstärkung für Minusma keine Auswirkungen haben. Auch die Ausweitung der Ausbildung im Irak entledigt die Franzosen keiner Aufgaben.

Wird das alles sein? Das ist unklar. In der Koalition wird auch der Einsatz von Aufklärungsflugzeugen vom Typ "Tornado" zur Unterstützung der Luftangriffe gegen den IS in Syrien erwogen. Damit wäre Deutschland direkt am Kampfeinsatz beteiligt.

Steigt damit die Terrorgefahr in Deutschland? Terrororganisationen wie der IS und Al-Kaida haben ins Visier genommen, die an den Kriegen in Afghanistan, im Irak oder in Syrien beteiligt sind. Allerdings gibt es bereits Terrordrohungen des IS gegen Deutschland. Ein militärisches Eingreifen der Bundeswehr in Syrien könnte aber die Terrorgefahr in Deutschland erhöhen.
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