In Großbritannien nehmen Gegner und Befürworter eines EU-Austritts Wahlkampf wieder auf
Brexit: Die Uhr tickt

Neue Zeiten auf der Insel? Am Donnerstag können die Briten darüber abstimmen, ob Großbritannien die EU verlassen soll. Archivbild: dpa

London. Wenige Tage vor dem Brexit-Referendum liegen die Befürworter eines Verbleibs von Großbritannien in der EU wieder knapp in Führung. Laut drei am Sonntag veröffentlichten Umfragen wollen zwischen 44 und 46 Prozent der Wahlberechtigten für eine weitere EU-Mitgliedschaft stimmen. Zwischen 42 und 43 Prozent befürworten dagegen einen Brexit, also ein Ausscheiden aus der EU. Die Briten stimmen an diesem Donnerstag ab.

Drei Tage nach dem tödlichen Angriff auf die britische Labour-Politikerin Jo Cox (41) haben Befürworter und Gegner eines Brexits ihren Wahlkampf am Sonntag wieder fortgesetzt. Der mutmaßliche Mörder von Cox sorgte am Samstag vor Gericht mit aggressiven Aussagen für Aufsehen. Als der 52-jährige Thomas M. nach seinem Namen gefragt wurde, antworte er: "Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien". Die Richterin deutete daraufhin an, dass es sich bei M. um einen geistig Verwirrten handeln könnte.

"Cameron weiter Premier"


Im Wahlkampf-Endspurt warnte Premierminister David Cameron erneut vor den wirtschaftlichen Folgen eines Brexit. Nach einer Entscheidung für einen EU-Ausstieg gebe es "kein Zurück mehr". Michael Gove, Chef der Leave-Kampagne, die sich für einen Austritt aus EU stark macht, sagte dagegen, er glaube, ein Brexit werde der britischen Wirtschaft helfen. Sowohl Gove als auch der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson sprachen sich dafür aus, dass Cameron auch im Fall eines Brexit Premierminister bleibt. Cameron müsse "sehr bald" ein kraftvolles Signal aussenden, dass "wir der Partnerschaft und Freundschaft mit unseren Freunden verpflichtet bleiben", sagte Johnson. Dennoch ließ Johnson keinen Zweifel daran, dass ein Brexit sehr schnell zu Konsequenzen führen könne. Noch vor dem Start von Verhandlungen mit der EU könne die Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofs über Großbritannien beendet werden. Weitere Schritte seien, "die Mitgliedsbeiträge zurückzuholen" und "die Kontrolle über die Grenzen zurückzuerlangen".

"Raus ist raus"


Dagegen warnte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament, Elmar Brok, die Briten vor falschen Hoffnungen. Nach einem Ja zu einem Austritt könnten sie keinen neuen Vertrag mit der EU zu besseren Bedingungen aushandeln, sagte Brok der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Raus ist raus", es werde "keine Rosinenpickerei geben". Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht im Votum der Briten für oder gegen ein Verbleiben in der EU auch "eine Entscheidung über unsere Zukunft". Großbritannien sei der wichtigste Handelspartner Bayerns in Europa und für die EU ein wichtiger Nettozahler, sagte Seehofer der "Schwäbischen Zeitung".
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