In Lohn und Brot

Die Wirtschaft sieht in Flüchtlingen ungenutztes Arbeitsmarktpotenzial und klinkt sich damit unüberhörbar in die Flüchtlingsdebatte ein. Jobs für Deutsche seien nicht gefährdet, sagt die Bundesagentur für Arbeit.

(dpa/epd) Die deutschen Arbeitgeber dringen auf Lockerungen im Asylrecht, um geflüchtete Menschen möglichst schnell in die Berufswelt zu integrieren. Die Politik müsse dafür sorgen, "dass Asylbewerber nicht viele Monate vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, der "Süddeutschen Zeitung". Nötig seien Deutschkurse vom ersten Tag an und ein Bleiberecht für junge Menschen in Ausbildung. Die steigenden Flüchtlingszahlen wertete er als Chance für den Jobmarkt. "Wir brauchen in den nächsten 20 Jahren viel mehr Arbeitskräfte, als dieses Land hervorbringen wird", sagte Kramer und sprach von 500 000 freien Stellen in Deutschland.

"In Sprache investieren"

Ähnlich äußerte sich der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank Jürgen Weise. "Unser Arbeitsmarkt ist derzeit stabil und aufnahmefähig. Wer gut Deutsch spricht und qualifiziert ist, wird schnell eine Stelle finden", sagte er der Zeitung "Bild". Dies treffe jedoch nicht auf den Großteil der ankommenden Menschen zu. "Deshalb müssen wir rasch in Sprache und Bildung investieren. Das erhöht die Chancen auf Arbeit. Und Arbeit ist die beste Form der Integration." Auf die Frage, ob Flüchtlinge dann deutschen Arbeitslosen mögliche Jobs wegnehmen, sagte Weise dem Blatt: "Ausdrücklich Nein. Die Firmen haben so viele offene Stellen wie noch nie, und es fällt immer schwerer diese zu besetzen." Deutschland werde ohne Zuwanderung bis 2025 über 6,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter verlieren. Der Präsident des Industrie- und Handelskammertags DIHK, Eric Schweitzer, fordert Abschiebestopps während und zwei Jahre nach einer Ausbildung, damit sich die Investition in den Azubi für den Betrieb lohnt. Auch Post-Chef Frank Appel will eine schnellere Arbeitserlaubnis für Flüchtlinge, und der Boss des Chemiekonzerns Evonik, Klaus Engel, findet es fatal, abgelehnte Asylbewerber abzuschieben statt zu prüfen, ob sie der deutschen Wirtschaft als Arbeitnehmer nutzen. "Deutschland muss das Arbeitsmarktpotenzial der vielen Asylbewerber mit Bleibeperspektiven besser nutzen", sagt Alexander Wilhelm, Arbeitsmarktexperte der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA).

Jusos für Steuererhöhung

Angesichts der Flüchtlingskrise wird in der SPD der Ruf nach Steuererhöhungen laut. "Wir müssen eine langfristige Finanzierung für die Flüchtlingsausgaben finden, deshalb ist es sinnvoll, dafür Steuern zu erhöhen", sagte Juso-Chefin Johanna Uekermann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgaben). Menschen mit hohem Einkommen sollten zugleich mehr Steuern zahlen. In der SPD wächst auch die Kritik am Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt. Der Behördenchef war am Freitag bei der Klausur der SPD-Bundestagsfraktion in Mainz zu Gast. Teilnehmer berichteten, Schmidt habe einen wenig überzeugenden Auftritt hingelegt. Minutenlang habe er ohne ein Wort der Selbstkritik versucht, die Fehleinschätzungen und Probleme in seiner Behörde zu rechtfertigen.
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