Innenminister verbietet Vereinigung "Die wahre Religion"
Bundesweite Razzia bei radikalen Salafisten

Berlin/München. Mit einer der größten Polizeiaktionen gegen Islamisten seit Jahren haben die Sicherheitsbehörden radikal-salafistischen Terror-Werbern einen neuen Schlag versetzt. Nach monatelangen Ermittlungen verbot Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag die Vereinigung "Die wahre Religion", die unter dem Motto "Lies!" zahlreiche Koran-Verteilaktionen organisiert hatte. Die Polizei durchsuchte daraufhin am Morgen gut 190 Wohnungen und Büros sowie zwei Moschee-Vereine in bundesweit mehr als 60 Städten.

Schwerpunkte der Polizeieinsätze in neun westdeutschen Ländern und Berlin waren Hessen mit knapp 65 sowie Nordrhein-Westfalen und Bayern mit jeweils fast 35 Polizeiaktionen. Salafisten vertreten einen am Koran orientierten besonders konservativen Ur-Islam. De Maizière sagte, rund 140 junge Islamisten seien nach einer Radikalisierung durch "Lies!" in die Kampfgebiete der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gereist. "Das mussten wir unterbinden." Die Ausgereisten seien im Zusammenhang mit dem scheinbar harmlosen Verteilen von Koranen etwa in Fußgängerzonen radikalisiert worden.

De Maizière warf der Vereinigung vor, dazu aufgerufen zu haben, für den Islamischen Staat zu kämpfen und zu morden. "Sie glorifiziert also Mord und Terror", kritisierte er. "Die wahre Religion" wende sich gezielt an Jugendliche. "Ein solches Handeln können und wollen wir in unserem Land nicht dulden." Laut de Maizière hat "Die wahre Religion" mehrere 100 Mitglieder. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, der angebliche religiöse Zweck sei nur vorgeschoben. "Tatsächlich war die verbotene Vereinigung jedoch ein Sammelbecken dschihadistischer Islamisten."
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