Interner Krach in der CDU
Streit um Strobl

Wenn das mal gut geht: Heute will sich der Grüne Winfried Kretschmann (rechts) erneut zum Ministerpräsidenten Baden-Württembergs wählen lassen - mit den Stimmen der CDU. Kretschmanns designierter Vize, CDU-Landeschef Thomas Strobl (links), hat mit Abweichlern in seiner Fraktion zu kämpfen. Bild: dpa

Die grün-schwarze Regierung steht in Stuttgart kurz vor der Vereidigung - wenn nicht bei der Wahl von Regierungschef Kretschmann noch etwas daneben geht. Denn die CDU-Landtagsfraktion und der künftige Vize-Regierungschef Strobl stehen auf Kriegsfuß.

Stuttgart. Eigentlich herrscht Feierlaune bei der ersten Sitzung des neuen baden-württembergischen Landtags. Rund zwei Monate nach der Wahl treffen sich die Abgeordneten am Mittwoch im sanierten Parlamentsgebäude in Stuttgart. Doch CDU-Landeschef Thomas Strobl schaut finster drein. Und Mitglieder seiner Fraktion zeigen sich erbost, wenn sie auf ihn zu sprechen kommen. Ein Tag vor Winfried Kretschmanns Wahl zum Ministerpräsidenten im Landtag hängt der Haussegen in der CDU schief.

Was ist passiert? Am Dienstag hatten Kretschmann und Strobl die Mitglieder ihres Kabinetts präsentiert - stolz, diese bundesweit einmalige Koalition trotz aller Widrigkeiten hinbekommen zu haben. Strobl stellt für die CDU fünf Minister vor. Zwei Frauen, drei Männer. Drei aus der Fraktion, zwei von außerhalb.

Dämpfer bei Probe


Und Strobl hat eine Überraschung parat: Er zaubert mit Nicole Hoffmeister-Kraut eine Wirtschaftsministerin aus dem Hut, die wohl keiner auf dem Schirm hatte und die in der Politik ein Neuling ist. Wenig später gibt es in der CDU-Fraktion eine Probeabstimmung zur Wahl des Ministerpräsidenten. Das Ergebnis: 26 Ja-Stimmen, acht Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Drei Abgeordnete fehlen. Strobl ist entsetzt, steht auf und verlässt den Saal. Am Tag danach schlagen die Wogen hoch. Mitglieder der Fraktion erklären, die Probeabstimmung sei ein Denkzettel für Strobl gewesen. Denn der habe die Fraktion bei der Personalauswahl nicht eingebunden. "Wir sind eine stolze Fraktion. Wir wollen ein Mitspracherecht", so ein Abgeordneter.

Die Fraktion habe ohne Protest geschluckt, dass Strobl, dessen Wirkungskreis als CDU-Bundesvize und Unionsfraktionsvize im Bundestag bislang in Berlin lag, Vize-Regierungschef wird. Doch sein Umgang mit ihr sei unterirdisch. Es könne nicht sein, dass Strobl den Abgeordneten das Personaltableau nach dem Motto "Friss oder stirb" vorwerfe.

Die Strobl-Versteher führen hingegen an, die CDU-Fraktion habe leichtfertig das positive Bild zerstört. Nun herrsche der öffentliche Eindruck vom Chaos in der CDU. Doch trotz des erbosten Abgangs von Strobl und der Querelen: Die CDU-Landespartei hat den Koalitionsvertrag bereits gebilligt - auch deshalb, weil Grün-Schwarz die einzige verbliebene Möglichkeit ist, eine stabile Regierung zu bilden. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart verspricht: "Wir wollen, dass die grün-schwarze Landesregierung erfolgreich in ihre Regierungszeit startet, und dafür werden wir morgen geschlossen den Ministerpräsidenten wählen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Winfried Kretschmann (25)Thomas Strobl (10)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.