Interview mit Bürgermeister Edgar Knobloch

Konnte "der Neue für Grafenwöhr" im ersten Jahr schon Impulse setzen? Was wurde aus den Wahlkampfthemen? Welche Botschaften vermittelt Edgar Knobloch, um seine Heimatstadt zukunftsfähig zu gestalten? Der neue Tag fragte Edgar Knobloch nach seiner Bilanz der ersten "365 Tage" und nach seinen Zukunftsplänen für die Stadt.

Welche neuen Erfahrungen haben Sie im ersten Bürgermeister-Jahr gewonnen?

Knobloch: Da gibt es sehr viele. Ich sage immer: Ich bin noch in der "Zum ersten Mal Phase". Spatenstiche, Einweihungen, Trauungen, runde Geburtstage, Goldene Hochzeiten, Jahreshauptversammlungen der Vereine, Verleihung von Feuerwehrabzeichen und vieles mehr. Besonders das Engagement der Ehrenamtlichen beim BRK und bei den Feuerwehren hat mich überwältigt. Mir war klar, dass der Einsatz der Aktiven ausschlaggebend ist für das Wohl einer Stadt, aber es war mir nie so bewusst.

Erfahrungen sammelten Sie unter anderem beim Kulturreferat der Stadt Nürnberg und als Wirtschaftsförderer des Landkreises Neustadt/WN sowie als Büroleiter von Landrat Simon Wittmann. Helfen Ihnen diese beruflichen Erfahrungen in Ihrem neuen Amt?

Knobloch: Ich möchte keine dieser drei Erfahrungen missen. Im Kulturreferat der Stadt Nürnberg habe ich gelernt, wie sehr sich Kunst und Kultur auf das Selbstverständnis der Bevölkerung auswirken. Auch wenn man es nicht ganz vergleichen kann, haben wir in Grafenwöhr mit unseren heimischen Theater-, Tanz- und Musical-Veranstaltungen sowie dem Kultur- und Militär-Museum und einer Kunsterei, schon einiges zu bieten. Soweit zu den sogenannten weichen Wirtschaftsfaktoren. Die Erfahrungen und die Kontakte aus der Zeit als Wirtschaftsförderer kann ich für die harten Wirtschaftsfaktoren sehr gut gebrauchen.

Am meisten geprägt hat mich sicher die Zeit mit Landrat Simon Wittmann. Für mich ein Intellektueller, der sich immer so ausdrückt, dass ihn jeder versteht. Tief verwurzelt in seiner Heimat und der Landwirtschaft, gepaart mit der Gabe, Dinge vorherzusehen, bevor andere überhaupt daran denken, machten ihn zu einem besonderen Lehrmeister.

Wie stellen Sie sich die Beziehungen zur US-Garnison vor?

Knobloch: In den vergangenen zwölf Monaten konnte ich eine sehr vertrauensvolle Beziehung zu den Verantwortlichen der US-Armee aufbauen. Da sind wir auf einem guten Weg und wir pflegen einen sehr offenen Umgang miteinander. Es ist wichtig, die Balance zu halten zwischen Belastungen für die Bevölkerung und den wirtschaftlichen Vorzügen durch den Truppenübungsplatz, vor allem in Form von Arbeitsplätzen.

Belasten die Vorwürfe der Wahlfälschung durch Mandatsträger der Linken Ihre Arbeit und die des Stadtrates?

Knobloch: Nein. Im Großen und Ganzen herrscht eine gute Zusammenarbeit im Gremium. Trotzdem hemmen die Vorwürfe aufgrund von Gerichtsterminen die Verwaltung und schaden dem Image der Stadt Grafenwöhr. Das ist bedauerlich.

Was waren die herausragenden Ereignisse im ersten Amtsjahr?

Knobloch: Die Entscheidung, mit der Verwaltung im Rathaus und am Marktplatz zu bleiben, der Bau und die erfolgreiche Einrichtung der neuen Grüngut-Sammelstelle und der sehr gut angenommene Wochenmarkt, der einen Mehrwert für Grafenwöhr bedeutet.

Die Debatte über den Umzug der Rathaus-Verwaltung war ja fulminant und die Androhung der Regierung auf Förderstopp ein Paukenschlag. Welche Gedanken gingen Ihnen dabei durch den Kopf?

Knobloch: Als mir die Umstände bekannt wurden, ging ich damit in die Fraktionen. Nachdem alle Fraktionen glaubhaft machten, sie hätten nichts vom Förderstopp gewusst und sie hätten in Kenntnis dieser Tatsache nie für den Umzug gestimmt, waren sich alle einig, den Beschluss aufzuheben. Damit war die Angelegenheit für mich klar. Allerdings mochten sich in der entscheidenden Sitzung am nächsten Tag nicht mehr alle an diese Vereinbarung erinnern. Die Entscheidung mit der Verwaltung im Rathaus und am Marktplatz zu bleiben, halte ich unabhängig davon für absolut richtig, weil nur so die zentrale Funktion der Altstadt als Mittelpunkt Grafenwöhrs erhalten bleiben kann.

Was macht Ihnen im neuen Amt am meisten Freude?

Knobloch: Es ist wohl der direkte Kontakt mit den Leuten und die Möglichkeit, unmittelbar die eigene Heimat mit zu gestalten. Wenn man keine Angst hat, Entscheidungen zu treffen, ist dieses Amt sehr erfüllend. Oft sind es aber auch die kleinen Dinge, die es ausmachen. Sehr gefreut habe ich mich zum Beispiel, als ich am ersten Tag von der Verwaltung mit einem selbst gemalten Willkommensschild begrüßt wurde oder als an meinem 50. Geburtstag der Spielmannszug musizierend ins Jugendheim einzog und die Mauritz Brüder mir ein Ständchen gesungen haben. Ein sehr schönes Erlebnis hatte ich beim Sommerfest in Gmünd, als mich ein Fünfjähriger etwas schüchtern mit "Grüß Gott, Herr Bürgermeister" ansprach. Ich reichte ihm die Hand und wir waren beide stolz.

Das Bürgermeisteramt ist mit erheblichen privaten Einschnitten verbunden. Was hat dieser gewiss harte Job aus dem Menschen Edgar Knobloch gemacht? Wie kommt Ihre Familie mit dieser neuen beruflichen Herausforderung des Familienvaters zurecht?

Knobloch: Hoffentlich hat das Amt den Ehemann und Familienvater nicht verändert. Ich glaube, die Familie kann mit der Situation gut umgehen. Ohne den Rückhalt meiner Frau Gabi wäre das sicher anders. Die Familie sorgt auch für die nötige Gelassenheit. Je nach Laune und Anlass muntern mich Frau und Kinder auf, beneiden oder bedauern mich oder sie respektieren einfach die Pflichten, die das Amt mit sich bringt. Wir nutzen die Zeit, die wir gemeinsam verbringen können und versuchen so oft es geht alle zusammen am Tisch zu sitzen.

Auf welche liebgewonnenen Hobbys möchten Sie trotz des Amtes auf keinen Fall verzichten?

Knobloch: Mit Freunden ein paar schöne Stunden verbringen, Fahrrad und Ski fahren, das macht mir Freude.

Welche Kern-Botschaft möchten Sie nach einem Jahr Regierungszeit an Ihre Bürgerschaft richten?

Knobloch: Es wird manchmal behauptet, wir Grafenwöhrer sind zu amerikanisiert, um Traditionen zu pflegen. Das ist falsch. Ich spüre eine gewisse Aufbruchsstimmung und einen großen Zusammenhalt in der Bevölkerung, gerade bei traditionellen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen. In 69 Vereinen sind viele Ehrenamtliche für ihren Verein und damit für ihre Heimat tätig. Dabei sind amerikanische Gäste immer gerne gesehen. Wir sollten den engen Kontakt mit den Amerikanern als Alleinstellungsmerkmal und als Chance verstehen, die es eben nur bei uns gibt. Deshalb meine Botschaft: "Weiter so, wir können beides: Tradition und Multikulti im positiven Sinn."
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