Interview mit Pfarrer Klaus-Peter Lehner aus der Kirchenlaibacher Pfarrkirche
Gott im Herz, BMW unterm Hintern

Peter Lehner als Pfarrer in Uniform. Bild: hia

Vor 25 Jahren feierte Klaus-Peter Lehner Primiz. Am Samstag, 11. Juli, begeht er das Jubiläum um 19 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Kirchenlaibacher Pfarrkirche. Im Interview spricht er über sein Amt und seine Vorliebe für laute Zweiräder.

Seit 2005 ist Klaus-Peter Lehner Militärpfarrer. Mit dem "Neuen Tag" sprach Pfarrer Lehner über die zurückliegenden 25 Jahre.

Seit 25 Jahren sind sie Priester. Haben sie den Schritt jemals bereut?

Peter Lehner: Die Entscheidung reifte bei mir über viele Jahre. Das erste Mal dachte ich als neunjähriger Ministrant daran. Hauptamtlich das Evangelium zu verkünden ist das Schönste, was es gibt - das sage ich auch nach 25 Jahren, in denen es auch Tiefs gab. Deswegen würde ich es heute wieder riskieren.

Wieso der Schritt zum Militärseelsorger?

Lehner:Nach 14 Jahren entschied ich mich für die sogenannte "Sonderseelsorge", zunächst als Gefangenenseelsorger. Während diesem Jahr wurde ich von der Militärseelsorge angefragt. Ich hatte mit der Bundeswehr nichts zu tun, kannte nicht einmal die Dienstgrade. Nach einem Besuch im Militärdekanat München beim damaligen Leitenden Dekan Reinhold Bartmann aus Kemnath habe ich mich überzeugen lassen, dass dies eine reizvolle Tätigkeit sein wird. Die Bundeswehr unterliegt seit 25 Jahren einem Strukturwandel.

Hat sich auch ihre Aufgabe verändert?

Lehner: Wie sich die Gesellschaft ändert, ändert sich die Bundeswehr. Aus der Verteidigungs- wurde eine Einsatzarmee. Soldaten und Standorte wurden weniger und darauf ausgelegt, den Frieden auf der Welt zu sichern. Deutsche Soldaten verstehen sich als "Diener des Friedens". Leider erfährt diese Entwicklung unter Russlands Präsident Putin keine positive Fortsetzung. Die Militärseelsorge passt sich an, wir Pfarrer begleiten die Soldaten. Ich war zweimal für je fünf Monate im Kosovo. Die Familienangehörige daheim bedürfen ebenfalls besonderer Betreuung.

Was waren ihre schönsten Erlebnisse als Seelsorger?

Lehner:Wenn Menschen sich für den Glauben entscheiden und dies auch mitteilen, sind das bewegende Momente. Bei einem Gottesdienst in Bruchsal erklärte ein 33-jähriger Kompaniechef vor 300 Kameraden, dass er nach dem Austritt aus der Kirche wieder eintreten will.

Beeindruckend für mich sind aber auch soziale Dienste in den Gemeinden. Immer wieder staune ich über den "Kleinen Dienst" im Luise-Elsässer-Haus. Frauen und Männer aus der Pfarrei Kirchenlaibach betreuen Senioren und begleiten sie in den Gottesdienst. Aber auch der Dienst im Pfarrgemeinderat, in der Kirchenverwaltung, im liturgischen Diensten, oder die Ministranten. Höhepunkte sind immer festliche Gottesdienste, bei denen die Menschenfreundlichkeit Gottes durchscheint.

Was waren ihre größten Herausforderungen?

Lehner: Große Herausforderungen waren immer die Wechsel der Standorte mit den damit verbundenen Umzügen: Von den Gemeinden in die JVA, nach Mittenwald über Ingolstadt bis jetzt in die Diaspora an der Nordseeküste in Wilhelmshaven.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und die Zukunft der Militärseelsorge?

Lehner: Die größte Herausforderung ist das Evangelium bei Soldaten glaubhaft zu verkünden, auch wenn immer mehr keiner Konfession angehören. Die Militärseelsorge ist Kirche unter Soldaten. Das ist und bleibt Herausforderung genug!

Wie viel Freizeit bleibt, und was machen Sie da am liebsten?

Lehner: Freie Zeit ist Voraussetzung für ausgewogene Seelsorge. Was hilft es den Menschen, wenn sie einen gehetzten Pfarrer erleben, der nie Zeit hat. Ich persönlich höre gerne Musik, wobei gediegene Blasmusik mein Favorit ist. Jetzt im Urlaub und bei schönem Wetter "drangsaliere" ich gerne meine 1200er BMW und genieße dabei unterm Sturzhelm die Schönheit der Natur, wobei ich Cruise und nicht rase.

Wie wichtig ist ihnen der Kontakt in die Heimat?

Lehner: Heimatverbundenheit ist für mich sehr wichtig, damit die Wurzeln nicht verloren gehen. Das ist die Familie mit den Geschwistern und deren Familien, das sind aber auch Freunde. Dort, wo ich sein kann wie ich bin, da ist Heimat.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.