IS-Terrormiliz verhandelt über Freilassung - UN sollen sich mit Kulturfrevel befassen
Hunderte Christen als Geiseln

(dpa/KNA) Nach der Entführung von mindestens 220 Christen im Nordosten Syriens durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) laufen Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln. Die Gespräche mit den Extremisten würden von Vertretern der assyrischen Christen sowie sunnitischen Stammesführern geführt, sagte Osama Edward, Leiter des Assyrischen Netzwerks für Menschenrechte, am Freitag. "Wir sind hinsichtlich der laufenden Verhandlungen hoffnungsvoll." Die sunnitischen Extremisten hatten Anfang der Woche nordwestlich der Stadt Al-Hassaka mehrere von assyrischen Christen bewohnte Dörfer unter ihre Kontrolle gebracht. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte brachten sie 220 Menschen in ihre Gewalt. Assyrische Aktivisten sprachen von fast 270 Geiseln. Der IS ermordete offenbar mehrere der Verschleppten. Das berichteten verschiedene christliche Nachrichtenportale. Demnach seien 15 junge Assyrer umgebracht worden.

Die Vernichtung jahrtausendealter Kulturgüter im Irak durch den IS ist laut dem Mainzer Kriminalarchäologen Michael Müller-Karpe ein kultureller Supergau. "Diese Wahnsinnigen zerstören unser gemeinsames Erbe", sagte er am Freitag. Der IS verkaufe viele Antiken illegal an den Westen, um Waffen zu finanzieren. "Was aber zu berühmt zum Verkauf oder zu groß ist, zerstört er medienwirksam." Unesco-Chefin Irina Bokova forderte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. "Dieser Angriff ist mehr als eine Kultur-Tragödie - dies ist auch eine Sicherheitsfrage, da er Sektierertum, gewaltsamen Extremismus und Konflikte im Irak schürt", begründete die Generaldirektorin der UN-Organisation ihre Forderung. Der IS hatte im Norden des Iraks einzigartige Kulturgüter aus altorientalischer Zeit zerstört. Darunter ist eine assyrische Türhüterfigur, die mehr als 2600 Jahre alt ist.
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