Islam-Feindlichkeit
AfD erntet massive Kritik

Die AfD-Führung erntet mit ihrer Haltung zum Islam scharfe Kritik auf breiter politischer Front sowie von Glaubensverbänden. Und selbst der ehemalige Chef der Rechtspopulisten warnt vor den Folgen.

Berlin. (dpa/KNA) Am Wochenende hatten die Vizevorsitzenden der Partei, Beatrix von Storch und Alexander Gauland, den Islam zu einer Ideologie erklärt, die "nicht mit dem Grundgesetz vereinbar" sei. Am Montag erntete das teils harsche Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies die Formulierungen der AfD zurück. "Wir haben in Deutschland die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Religionsausübung, und das gilt natürlich auch für Muslime in unserem Land", sagte sie. "Die Praxis hat gezeigt, dass die übergroße Mehrzahl der Muslime hier im Rahmen des Grundgesetzes ihre Religion ausübt."

Vergleich mit NSDAP


Die Positionen der AfD zeugten von "extremistischem Denken, das mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist", sagte der Beauftragte der CDU/CSU-Fraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Franz Josef Jung (CDU), der "Welt". Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verglich die AfD mit der Partei von Adolf Hitler. Zum ersten Mal seit der NSDAP gebe es eine Partei, die "eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Ma- zyek dem Sender NDR-Info.

Deutliche Kritik kam auch vom einstigen AfD-Mitgründer Bernd Lucke: "Mit populistischen Forderungen wie Minarettverboten oder islamischen Gottesdiensten nur in deutscher Sprache fördern wir nur die Radikalisierung von Muslimen", sagte Lucke, der heute der konservativ-liberalen Partei Alfa vorsteht, der "Berliner Zeitung". In ihrem Programm will die AfD ein Verbot von Islam-Symbolen wie Minaretten festschreiben. Muslime würden sich dann "als Bürger zweiter Klasse" vorkommen, kritisierte Lucke.

"Schwaches Halbwissen"


Linke-Parteichef Bernd Riexinger meinte, mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen suche die AfD ein neues Thema - "wohl auch, um die Konflikte in den eigenen Reihen ... zu überdecken". EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) nannte die Position der Partei "abstoßend". Es sei unanständig, eine ganze Religionsgemeinschaft unter Generalverdacht zu stellen.

Auch der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, hat sich besorgt über den Kurs der Partei geäußert. Sie spreche "mit einem sehr schwachen Halbwissen über den Islam", sagte er am Montag im Kölner Domradio. Aber auch die christlich fundierte Kultur Europas sei nicht so schlicht, wie sie im Programmentwurf der AfD beschrieben werde. (Kommentar)
Wir haben in Deutschland die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Religionsausübung, und das gilt natürlich auch für Muslime in unserem Land.Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)