Ist die "Atempause" vorbei?
Flüchtlingszahlen steigen wieder an

Bei mehreren Rettungsaktionen barg die italienische Marine im Mittelmeer an nur einem Tag knapp 7000 Flüchtlinge. Auch die die griechischen Inseln verzeichneten wieder einen verstärkten Zustrom. Bild: dpa

Ist die "Atempause" nach der Schließung der Balkan-Route vorbei? Plötzlich kommen wieder mehr Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa. Und auch auf den griechischen Inseln stranden wieder mehr Menschen.

Berlin/Rom. Allein an einem Tag sind 6908 Flüchtlinge zwischen der libyschen Küste und Sizilien aus Seenot gerettet worden, zwei Menschen seien gestorben. Das berichtete ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Italien am Dienstag. Gleichzeitig melden die griechischen Behörden einen plötzlichen starken Anstieg der Fluchtbewegung aus der Türkei.

Seit dem Vortag hätten 462 Menschen von der türkischen Küste auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der Flüchtlingskrisenstab in Athen mit. Das sei die größte Zahl von Flüchtlingen und Migranten, die seit Inkrafttreten des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei Anfang April an einem Tag registriert wurde. In den sieben Tagen zuvor waren im Schnitt nur etwas mehr als 70 Menschen angekommen. "Hoffentlich hängt das mit dem guten Wetter zusammen und es ist kein Zeichen seitens der Türkei", sagte ein Offizier der Küstenwache. Die Türkei betonte, die Umsetzung des Flüchtlingspaktes sei für sie mit der Aufhebung der Visumpflicht für Türken bei Reisen in die EU verbunden. "Wir erwarten die Aufhebung der Visumpflicht bis spätestens Oktober 2016", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

Nach IOM-Angaben kamen auf den verschiedenen Mittelmeerrouten seit Jahresbeginn 272 070 Flüchtlinge nach Europa. Im Vorjahr hatte die Organisation im gleichen Zeitraum 354 618 Flüchtlinge gezählt. Laut IOM sind bei der Flucht über das Mittelmeer in diesem Jahr bereits 3165 Menschen umgekommen. Das seien 509 Todesopfer mehr als in den ersten acht Monaten des Vorjahres, und das, obwohl die Flüchtlingszahlen insgesamt gesunken seien. Bis zum 28. August kamen 163 105 Flüchtlinge nach Griechenland (Vorjahreszeitraum: 234 357) und 106 461 nach Italien (116 147). Es zeige sich, dass die Flucht über das Mittelmeer gefährlicher geworden sei. In diesem Jahr habe jeder 85. Migrant die Überfahrt nicht überlebt, 2015 sei jeder 276. ums Leben gekommen.
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