Italien überfordert

Gerettet. Vor allem Kinder haben bei Unglücken von Flüchtlingsbooten wenig Überlebenschancen. In Italien kamen am Dienstag Hunderte Flüchtlinge an. Bild: dpa

Die Serie der tödlichen Bootsunglücke im Mittelmeer reißt nicht ab. Jetzt sollen Dutzende Flüchtlinge nach Informationen einer Hilfsorganisation ertrunken sein. Italien ist mit der Aufnahme der Migranten überfordert.

Bei einem neuen Flüchtlingsunglück im Mittelmeer sind nach Angaben einer Hilfsorganisation vermutlich Dutzende Menschen ertrunken. Überlebende hätten erzählt, dass etwa 40 Migranten von einem Schlauchboot ins Wasser gestürzt seien, sagte die Sprecherin von Save the Children, Giovanna Di Benedetto, am Dienstag in Catania. Es könnten aber auch mehr sein, die genaue Zahl der Opfer sei nicht bekannt. Auf dem Schlauchboot sei es vor Sizilien zu einem Notfall gekommen. Womöglich habe es eine Explosion gegeben.

Die etwa 200 Überlebenden kamen am Dienstag im Hafen von Catania auf Sizilien an. Das Containerschiff "Zeran" hatte sie von zwei Schlauchbooten aufgenommen. An Bord waren auch fünf Leichen. Auch in anderen Häfen auf Sizilien und in Süditalien machten Schiffe mit Hunderten Migranten fest. Am vergangenen Wochenende waren mehr als 7000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet worden. Italien stößt bei der Versorgung der Migranten an seine Grenzen und pocht auf größere Hilfe aus Europa. Außenminister Paolo Gentiloni sagte, um die Krise zu lösen, reiche es nicht, die Zahl der Schiffe für die Rettung zu erhöhen. Vielmehr müssten zum Beispiel mehr Mittel zur Aufnahme der Migranten bereitgestellt werden.

Bundesmarine im Einsatz

Zwei Schiffe der deutschen Marine beteiligen sich ab sofort an der Rettung. Einen Auftrag zur Zerstörung der Boote von Menschenschmugglern hätten sie nicht, betonte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag. Er sagte, die Fregatte "Hessen" und das Versorgungsschiff "Berlin" hätten sich am Vormittag von der griechischen Insel Kreta aus auf den Weg gemacht in ein Seegebiet südlich von Italien. Dort sollten sie am Donnerstag eintreffen. Auf der griechischen Insel hatten sie zuvor 55 zusätzliche Soldaten, Rettungswesten und anderes Material an Bord genommen. Wohin die Bundeswehr die von ihr geretteten Schiffbrüchigen im Ernstfall bringen wird, steht noch nicht endgültig fest. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass die Schiffe Häfen in Italien anlaufen werden. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte: "Es sind noch nicht alle operativen Details geklärt, aber wir haben positive Signale, dass es eine Lösung für den Transfer der Schiffbrüchigen geben wird, um sie in einen sicheren Hafen zu bringen."

Die Bundesregierung rechnet inzwischen mit deutlich mehr Asylbewerbern in diesem Jahr. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach am Dienstag in München von bis zu 400 000 Flüchtlingen. "Wenn wir die Quartalszahlen hochrechnen, müssen wir mit 300 000 bis 400 000 Asylbewerbern rechnen", sagte der CSU-Politiker nach Beratungen mit dem bayerischen Kabinett.
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