Jetzt warnt auch die Bundesregierung:
Geringverdiener stürzen ins Rentenloch

Die gesetzliche Rente reicht künftig bei vielen nicht gegen den Absturz in die Armut. Der Rat der Regierung: private Vorsorge. Doch damit ruft sie heftige Kritik hervor.

Berlin. Altersarmut wird für Millionen Menschen in Deutschland zum wachsenden Problem. Denn das Versorgungsniveau der zukünftigen Rentner werde ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen, wie aus dem "Alterssicherungsbericht 2016" des Bundessozialministeriums hervorgeht. Vor allem Geringverdiener sorgen aber nicht selbst vor. So haben 47 Prozent der Niedrigverdiener keinerlei zusätzliche Altersvorsorge.

"Während über alle Einkommensklassen hinweg rund 30 Prozent der Befragten angaben, über keine zusätzliche Altersvorsorge zu verfügen, sind es bei den Geringverdienern mit einem Bruttolohn von weniger als 1500 Euro pro Monat knapp 47 Prozent", heißt es im Bericht. Das seien 1,9 Millionen der knapp 4,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in dieser Niedriglohngruppe. Fast drei Viertel sind Frauen. Insgesamt verfügten 70,4 Prozent über eine zusätzliche Vorsorge, 33,8 Prozent über einen Riester-Vertrag, 20,4 Prozent sowohl über eine Riester-Police als auch über eine betriebliche Vorsorge. Das Nettoeinkommen von Ehepaaren über 65 betrug 2015 im Schnitt 2543 Euro, bei alleinstehenden Männern waren es 1614, bei Frauen 1420. Knapp die Hälfte aller Senioren haben zusätzliche Einkünfte: vor allem Zinsen, aber auch Mieten, Pacht und Erwerbseinkommen.

Bis 2035 sinkt das Rentenniveau nach Berechnungen des Sozialministeriums von heute 47,8 Prozent auf unter 43 Prozent - bis 2045 soll es auf 41,6 Prozent sinken, wenn nicht gegengesteuert wird. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann rief deshalb zu einer Einigung in der Koalition über das künftige Rentenniveau auf. "Gerade bei der Rente darf man nicht mehr versprechen, als man hinterher leisten kann", sagte Oppermann. Die Linken kritisierten es als "zynisch", wenn die Bundesregierung Geringverdienenden empfiehlt, privat vorzusorgen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, Geringverdiener könnten Rentenlücken nicht über private Altersvorsorge ausgleichen.

Kleinerer Zuschlag 2017


Die heutigen Rentner müssen im kommenden Jahr mit einer deutlich geringeren Erhöhung ihrer Bezüge auskommen als in diesem Jahr. Nach den jüngsten Daten vom Juli ergebe sich eine Erhöhung der Renten im kommenden Sommer um 2,3 Prozent (West) und 2,58 Prozent (Ost), heißt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Haushaltsplan der Deutschen Rentenversicherung Bund. Die Rentenversicherung betonte, die Zahlen seien noch nicht belastbar.
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