Joachim Sauers "Damenprogramm" umfasst nicht nur Tourismus, sondern auch einen Vortrag über ...
Eine Kutsche und der Lotus-Effekt

Ein Kutschenfahrt durch die Berglandschaft war am Sonntag Teil des Damenprogramms: (von links) Malgorzata Tusk, Frau des EU-Ratspräsidenten Donald Tusk, Joachim Sauer, Mann der Kanzlerin, Regine Pecorini-Kotsch, Frau des Büroleiters des Kanzleramtes, Laureen Harper, Frau des kanadischen Premiers und Akie Abe, Frau des japanischen Ministerpräsidenten.
Vor acht Jahren, am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm, mussten die Damen und Herr Sauer noch zur mecklenburgischen Burg Schlitz wandern - im Jahr 2015 wohnt man in einem bayerischen Schloss und nimmt die Kutsche. Angela Merkels Mann Joachim Sauer (66) hat am Rande des G7-Gipfels im Schloss Elmau die Frauen der Staats- und Regierungschefs zu einer sommerlichen Kutschfahrt durch wunderschöne Landschaften eingeladen - zumindest die, die da waren.

Michelle Obama war nicht mit nach Bayern gereist. Und so ist es eine kleine Gruppe, die sich am Sonntag kutschieren lässt: Akie Abe, Frau des japanischen Premiers, Laureen Harper, Gattin des kanadischen Premiers, Malgorzata Tusk, Frau von EU-Ratspräsident Donald Tusk, und Regine Pecorini-Kotsch, die Frau des stellvertretenden Büroleiters von Merkel, begleiteten Sauer. Das Dach über der mit Blumen geschmückten Kutsche spendet etwas Schatten an diesem sommerlichen Tag.

Schon beim Heiligendamm-Gipfel wollte Sauer das "Damenprogramm", das sich oft auf Kunst, Kultur und Touristisches beschränkt, erweitern - um einen den Vortrag des Direktors des Rostocker Max-Planck-Instituts, James W. Vaupel, über die Bevölkerungsentwicklung der G8-Staaten.

Einen anspruchsvollen Beitrag gibt es auch dieses Jahr: Der Biophysiker und Direktor des Deutschen Museums in München, Wolfgang Heckl, soll - auf Wunsch der Kanzlerin, wie er sagt - am Montag über "Nanotechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts" sprechen. "Es geht um die Grundlagen und die Anwendungen der Nanotechnologie", sagt Heckl. Um den Lotus-Effekt soll es unter anderem gehen - um nano-beschichtete Krawatten, die Schmutz abweisen. Außerdem will Heckl über silberbeschichtete Pflaster sprechen, die die Wundheilung fördern, und über Türklinken, die multiresistente Keime eindämmen können.

Rund eine Stunde hat er dafür Zeit - dann ist nach Angaben Heckls der Kanzlerin-Gatte persönlich an der Reihe: "Herr Sauer wird auch über seine Arbeit berichten", sagt Heckl. Denn: "Was meine Studenten experimentell machen, das macht Herr Sauer theoretisch." Professor Sauer ist Nano-Chemiker. Dass Frau Obama nicht dabei ist, scheint Heckl nicht sehr traurig zu machen. "Mir ist ja jeder recht - ab drei Studenten wird die Vorlesung gehalten."
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