Jutta Cordt soll Frank Weise nachfolgen
Vor großen Aufgaben im BAMF

Jutta Cordt, noch Chefin der Bundesagentur für Arbeit Berlin-Brandenburg, soll Nachfolgerin Frank-Jürgen Weises als Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge werden. Bild: dpa

Zunächst galt sie als Kandidatin für die Vizepräsidentenstelle, nun soll Jutta Cordt nach Medieninformationen an die Spitze des Flüchtlings-Bundesamtes rücken. Auf die Weise-Nachfolgerin kommen zahlreiche Herausforderungen zu.

Berlin/Nürnberg. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird laut einem Zeitungsbericht künftig von der jetzigen BA-Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Jutta Cordt, gleitet. Sie löse den bisherigen BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise im kommenden Jahr ab, berichteten die "Nürnberger Nachrichten" (Donnerstag) unter Berufung auf informierte Kreise. Das Bundesinnenministerium, dem das BAMF untersteht, wollte den Bericht nicht kommentieren. Cordt verbrachte einen Großteil ihres Berufslebens in der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dass Weise, der auch Chef der Bundesagentur ist, zum Jahresende aufhört, ist schon länger bekannt.

Auch das Bundeskabinett muss die Personalie billigen. Wann es dazu kommt, ist noch unklar. Angestrebt ist aber eine längere Übergabephase. Die Zeitung berichtete, Cordt solle von Oktober an in Nürnberg sein. Sie solle aber zunächst eingearbeitet werden und im neuen Jahr die Leitung des BAMF übernehmen.

Auf die 52-Jährige kommen schwierige Aufgaben zu. Aktuell stapeln sich in der Behörde mehr als eine halbe Million noch nicht entschiedene Asylanträge. Bei seinem Amtsantritt im September 2015 hatte Weise den Auftrag bekommen, den Antragsstau zu beseitigen. Etwa 200 000 komplexe Altfälle werde man erst 2017 abschließen können - voraussichtlich bis zur Jahresmitte, räumte Weise vor kurzem ein. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Zahl neu ankommender Flüchtlinge weiterhin niedrig bleibe. Viele neue Mitarbeiter im BAMF müssten zudem erst noch Routine bekommen und weiter qualifiziert werden, sagte Weise. Es sei nötig, in der Flüchtlingsbehörde die "Kultur einer leistungsorientierten, steuerbaren Organisation" zu schaffen.

Integration verstärken


Vom kommenden Jahr an will das Bundesamt auch weitgehend ohne ausgeliehenes Personal von BA, Post, Bundeswehr und Bundesinnenministerium auskommen. Cordt wird dann 6300 Mitarbeiter unter sich haben. Neben der Bearbeitung und Entscheidung von Asylanträgen wird sich das BAMF auch wieder verstärkt um die Integration kümmern müssen - gemeinsam mit der BA. Abzuwarten bleibt, wie sich das Verhältnis zum Personalrat entwickelt. Die Mitarbeitervertreter hatten sich zuletzt mehrfach offen gegen die Behördenleitung gestellt - unter anderem wegen der Einstellung neuer Mitarbeiter ohne Beteiligung des Gremiums.

Als BA-Regionaldirektorin in Berlin freute sich Cordt im Mai über einen Erfolg, den Berlin lang herbeigesehnt hat. Erstmals seit dem Mauerfall war die Arbeitslosenquote in Berlin unter 10 Prozent gefallen. Die 52 Jahre alte Juristin ließ keinen Zweifel, dass dies der guten Konjunktur und gestiegenen Attraktivität der deutschen Hauptstadt geschuldet war. Seit ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Berlin um rund 10 000 auf 56 000.
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