Kämpfe flammen wieder auf
Pulverfass Südkaukasus

Der alte Konflikt zwischen den Südkaukasusrepubliken Armenien und Aserbaidschan ist brandgefährlich. Die unerwartet heftigen Kämpfe am Wochenende machen deutlich: Der Friedensprozess muss wiederbelebt werden. Auch die Bundesregierung schaltet sich ein.

Eriwan/Baku. In der schwersten Gewalteskalation seit Jahren in Berg-Karabach mit mindestens 30 Toten hat Aserbaidschan einseitig eine Feuerpause erklärt. Die Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan machen sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich. Die Behörden des Unruhegebiets Berg-Karabach berichteten am Sonntag dennoch von weiteren Schüssen an der Demarkationslinie. Die sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vermittelt in dem Konflikt und plant für Dienstag ein Krisentreffen in Wien, wie aus OSZE-Kreisen bekannt wurde.

Das überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan. Anfang der 1990er Jahre sagten sich die Berg-Karabacher in einem Krieg mit fast 30 000 Toten von Baku los. Eine seit 1994 geltende Waffenruhe ist seit Jahren brüchig. Die Führung in Baku hat gedroht, das abtrünnige Gebiet zurückzuerobern. Die Kämpfe lösten international große Sorge aus. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier schaltete sich ein und telefonierte mit seinen Amtskollegen in Armenien und Aserbaidschan. Er rief beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Deutschland hat 2016 den OSZE-Vorsitz inne. Der Minsk-Gruppe gehören unter anderem Russland, die USA, Frankreich, Deutschland und die Türkei an. Die Friedensgespräche im Berg-Karabach-Konflikt kommen seit Jahren nicht voran.

UN-Chef Ban Ki Moon und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verlangten ein sofortiges Ende der Kämpfe. Auch US-Außenminister John Kerry verurteilte den Konflikt "auf das Schärfste". Der russische Präsident Wladimir Putin mahnte Armenien und Aserbaidschan zur Ruhe. Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert.

Nach armenischer Darstellung griff Aserbaidschan mit Panzern, Artillerie und Flugzeugen an. Baku hingegen beschuldigte Eriwan, Siedlungen mit schweren Waffen zuerst angegriffen zu haben.
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