Kampf gegen Keime

Viele Infektionsfälle in Kliniken seien vermeidbar, sagt die Bundesregierung. Trotz des Gesetzes zur Krankenhaushygiene hat sich nicht viel geändert. Minister Gröhe will nun mit einem Zehn-Punkte-Plan das Problem anpacken.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will den Kampf gegen gefährliche Krankenhauskeime intensivieren. Nach einem Zehn-Punkte-Plan sollen unter anderem die Meldepflichten für Kliniken beim Auftreten besonders gefährlicher Keime verschärft werden, wie Ministeriumssprecherin Katja Angeli am Montag in Berlin mitteilte. Kliniken sollen zudem verpflichtet werden, regelmäßig in allgemein verständlicher Sprache über ihre Hygienestandards zu informieren. Nicht nur Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern, sondern auch in Arztpraxen sollen in diesem Bereich regelmäßig weitergebildet werden. In Deutschland sterben pro Jahr zwischen 10 000 und 15 000 Menschen in den Kliniken, weil sie sich dort mit multiresistenten Keimen infiziert haben. Bisherige Maßnahmen brachten nicht den erhofften Erfolg.

Das Problem liegt unter anderem daran, dass solche Erreger eine hohe Resistenz gegen Antibiotika entwickelt haben. Hier gelte es, die Forschung zu intensivieren und neue Antibiotika zu entwickeln, erklärte Angeli. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), hält einen Großteil der Krankenhausinfektionen und deren Folgeschäden für vermeidbar. Laumann sagte vor kurzem bei einer Veranstaltung zu dem Thema, er sehe kein Gesetzesproblem, sondern ein Verhaltensproblem von Klinikpersonal und Patienten. Das Gesetz zur Krankenhaushygiene sei zwar verschärft worden, aber es habe sich nichts Nennenswertes geändert. Laut Bundesgesundheitsministerium infizieren sich jährlich im Krankenhaus 400 000 bis 600 000 Menschen.

Gefährliche Resistenzen

2011 reagierte der Gesetzgeber unter anderem mit schärferen Regeln für Hygiene und Kontrolle. Problematisch sind jene Erreger, die Resistenzen entwickelt haben. Das geschieht vermutlich unter anderem, weil Antibiotika in der Tiermast, aber auch bei Menschen zu häufig und nicht zielgenau verabreicht werden. Dadurch werden antibiotika-empfindliche Bakterien abgetötet, während die antibiotika-resistenten sich umso konkurrenzloser vermehren können. Der Bund überprüft zurzeit alle Antibiotika auf Verwendbarkeit bei Tieren.
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