Kanzlerin bittet in der Flüchtlingskrise um Geduld
Merkel kämpft für ihren Kurs

Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) und Moderatorin Anne Will vor Beginn der Sendung mit dem Titel "Deutschland gespalten, in Europa isoliert - Wann steuern Sie um, Frau Merkel?" Bild: dpa

Berlin. Keinen Deut rückt Angela Merkel von ihrem Kurs ab. Vor einem Millionen-Publikum dekliniert die Kanzlerin im Fernsehen am Sonntagabend ihren Plan wieder Punkt für Punkt durch: keine deutsche Obergrenze für Flüchtlinge, keine Alleingänge in Europa, sondern eine europäische Lösung der Krise samt Bekämpfung der Fluchtursachen. Das braucht Zeit, und deshalb bittet Merkel die Bürger um Geduld. "Das alles mag manchen zu langsam gehen", sagt sie in verständnisvollem Ton in der ARD-Sendung von Anne Will. Es sei aber der beste Weg. Eben ihr Weg. Hat sie angesichts der großen Probleme einen Plan B? "Nein, hab' ich nicht", antwortet sie schnell.

Typisch Merkel, könnte man meinen. Die Regierungschefin redet in Krisen nie über einen Plan B, um ihre Position nicht zu schwächen. Denn in dem Moment, da sie über nationale Alleingänge nachdächte oder auf ihren schärfsten Kritiker, CSU-Chef Horst Seehofer, einginge, könnte sie sich von ihrem Plan A wohl verabschieden. Ihre Gegner hätten dann den berühmten Fuß in der Tür.

Politiker, die über das Scheitern sprechen, haben Merkels Ansicht nach den Beruf verfehlt: "Man ist nicht Politiker, dass man die Welt beschreibt und sie katastrophal findet." Manchmal sei sie auch verzweifelt, räumt sie ein. Aber sie versuche, etwas Vernünftiges daraus zu machen. Und dann ballt sie die Faust und spricht etwas lauter: "Meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit besteht darin, dass dieses Europa einen gemeinsamen Weg findet."

Zuspruch für CDU-Chefin


Über den Kurznachrichtendienst Twitter zollen Nutzer Merkel Respekt für Standfestigkeit, obwohl in knapp zwei Wochen Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sind und die Umfragewerte für die CDU sinken. Die Wahlen gelten als Gradmesser für die Stimmung im ganzen Land. Merkel geht die Deutung, Deutschland sei gespalten, zu weit. Sie spricht aber von einer "Polarisierung".

Dass Merkel umsteuern würde, hat auch Seehofer nicht geglaubt. Er sagt am Montag in München: "Wer in der Politik wirklich zu Hause ist, konnte das ernsthaft nicht erwarten." CDU-Vize Thomas Strobl findet: "Sie hat in einer schwierigen Lage Haltung bewiesen." Justizminister Heiko Maas (SPD) spricht von einer "schallenden Ohrfeige" für alle in der Union, die sich von Merkel absetzten - bis hin zu den CDU-Spitzenkandidaten für die Wahlen. Maas sagt: "Den Wettlauf weg von Frau Merkel wird kein CDU-Wahlkämpfer gewinnen." So eine Warnung könnte auch aus der CDU-Zentrale kommen.

Dass Seehofer auf die Frage im "Spiegel", ob die CSU Merkel als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2017 unterstütze, "nächste Frage" antwortet, quittiert CDU-Generalsekretär Peter Tauber so: "Ich hab bis jetzt noch gar nicht mitbekommen, dass Angela Merkel erklärt hat, dass sie wieder kandidiert." Das ist eine der spannendsten Fragen. Nach jüngsten Umfragen steigen Merkels Beliebtheitswerte wieder.

Berlin. Valentinstag war vorbei, und Geburtstag hat Angela Merkel erst im Juli. Trotzdem wurden am 24. Februar an der Pforte des Kanzleramts in Berlin 130 Blumensträuße für die Kanzlerin abgegeben - als Dank für ihre offene Flüchtlingspolitik. Über Facebook hatte ein Nutzer dazu vorher auf Deutsch und Englisch aufgerufen: "Blumen für Merkel: Die offene Flüchtlingspolitik der Kanzlerin unterstützen." Auch wenn Merkels Büro recht groß ist - 130 Sträuße nahmen dann doch viel Platz ein. So wurden viele der schönen, bunten Gebinde vor ihrem Büro aufgestellt.

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