Karl-Josef Rauber rückt ins Kardinalskollegium auf - Papst ehrt einen Mann, der es der Kurie ...
"Der rote Hut ist halt rot - der Kopf ändert sich nicht"

Erzbischof Karl-Josef Rauber gehört zu den neuen Kardinälen, die der Papst an diesem Samstag ernennt. Bild: dpa
Einer der vielen Überraschungskandidaten, die Franziskus am Samstag ins Kardinalskollegium aufnimmt, ist Karl-Josef Rauber. Den aus Nürnberg stammenden früheren vatikanischen Diplomaten hatte kein Beobachter auf seiner Liste. Der 80 Jahre alte Priester des Bistums Mainz war unter anderem Botschafter in Uganda, in der Schweiz sowie zuletzt in Belgien. In seiner römischen Zeit war er viele Jahre an zentraler Stelle im Staatssekretariat tätig und leitete später die päpstliche Diplomatenakademie.

Keine Begründung

Eine Begründung für die Ernennung Raubers gibt der Papst traditionell nicht. Er sagte lediglich, die fünf neuen Kardinäle, die das 80. Lebensjahr bereits überschritten haben, hätten sich durch eine "seelsorgerische Liebe" ausgezeichnet. Auch Rauber selbst war nach eigener Aussage völlig überrascht. Möglicherweise habe das mit seinem Wirken in der Schweiz zu tun, vermutet er. Rauber hatte in den 1990er Jahren in den Auseinandersetzungen im Bistum Chur zwischen Bischof Wolfgang Haas und großen Teilen des Klerus vermittelt. Kritiker warfen Haas eine reaktionäre Haltung vor. Ein Schweizer Bischof bezeichnete Rauber jüngst als den "besten Nuntius", den die Schweiz je hatte. Fest steht zumindest soviel: Mit Rauber ehrt der Papst einen Mann, dem es die römische Kurie nicht immer leicht gemacht hat. Und einen Mann, der sich nicht scheut, das bei aller Höflichkeit und Zurückhaltung gelegentlich auch öffentlich zu sagen. So erzählte er Journalisten etwa, dass seine Abberufung aus der Schweiz erfolgt sei, weil der damalige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano erzürnt darüber gewesen sei, dass er sich im Chur-Konflikt mit allen Schweizer Bischöfen und weiteren Personen beraten habe. Oder: Dass er beim vatikanischen Staatssekretariat wegen seiner Aussagen zum Zölibat angeschwärzt worden sei.

Opfer von Verstimmungen

Rauber selbst bezeichnet seinen Aufenthalt in Uganda als "schönste Zeit" seines Lebens. Er habe dort auch missionarisch Wirken können. Allerdings musste er Missionaren unter der Gewaltherrschaft des Diktators Idi Amin häufig beistehen und ihnen Mut machen, weiterhin in der Seelsorge tätig zu bleiben, wie er berichtete. Raubers Ausscheiden aus dem päpstlichen Dienst war allerdings nicht ganz so, wie es sich für einen Diplomaten eigentlich gehört. Diesmal lag es nicht an Rom, sondern am Gastland. In Belgien, seiner letzten Station, wurde der scheidende Apostolische Nuntius 2009 Opfer von Verstimmungen zwischen Belgien und dem Vatikan. Das belgische Parlament hatte kurz zuvor Benedikt XVI. (2005-2013) wegen einer Aussage über Kondome kritisiert. Daraufhin verzichtete Rauber auf die üblichen Zeremonien und Empfänge zum Abschied. Im Ruhestand lebt er seither als Geistlicher in einem Haus der Schönstatt-Bewegung in Ergenzingen bei Rottenburg.

Was seine Einstellung zu geistlichen Gewändern und seinem neuen Amt betrifft, ist Rauber offensichtlich ganz ein Mann nach Franziskus' Geschmack: "Der rote Hut ist halt rot, und früher war er violett. Der Kopf darunter ändert sich nicht", sagt er. Rauber wundert sich allerdings, dass der Papst die Kleidungsvorschriften für Kardinäle nicht geändert hat. Schließlich habe er doch sonst "alles abgelegt, was abzulegen war".

So wird Rauber am Samstag in der prächtigen Sala Ducale des Apostolischen Palasts die Glückwünsche im roten Kardinalstalar entgegennehmen - auch die des emeritierten Papst Benedikt XVI., der laut Radio Vatikan ebenfalls teilnehmen wird.
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