Keine Akkreditierung: „Spiegel“-Journalist verlässt Türkei
Scharfer Gegenwind für Presse

Istanbul/Berlin. "Der Spiegel" hat seinen Korrespondenten Hasnain Kazim (41) aus der Türkei abgezogen und der Regierung Verstöße gegen die Pressefreiheit vorgeworfen. "Die Türkei hat mir die Akkreditierung als Korrespondent verweigert", sagte Kazim am Donnerstag. "Deswegen blieb mir letztlich keine Wahl, als dieses Land zu verlassen."

"Das Verhalten der türkischen Behörden lässt für uns keinen anderen Schluss zu, als dass unser Korrespondent aufgrund seiner journalistischen Berichterstattung vor Ort nicht mehr erwünscht ist", sagte "Spiegel Online"-Chefredakteur Florian Harmsvon. Kazim habe seinen Presseausweis vor mehr als drei Monaten beantragt. Daran ist die Aufenthaltsgenehmigung gekoppelt. Kazim wird nun von Wien aus berichten.

Anhänger der AKP-Regierung werfen dem Nachrichtenmagazin einseitige Berichterstattung vor. Kazim sagte, ihm könnte ein Prozess wegen Unterstützung einer Terrororganisation drohen, sollte er das Land nicht verlassen. "Bloß weil ich mit Leuten gesprochen habe, die die Türkei als Terroristen bezeichnet." Ähnliche Vorwürfe wurden kürzlich gegen den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel erhoben. Auch er berichtet nicht mehr aus dem Land. 135 Abgeordnete aus allen Bundestagsfraktionen äußerten sich in einem Brief an Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan "in tiefer Sorge" über den Stand der Meinungsfreiheit in der Türkei.
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