Kinder auf der Flucht

Mehr als 870 000 Menschen haben in diesem Jahr bislang die gefährliche Flucht über das Mittelmeer - unter anderem zur griechischen Insel Lesbos (Bild) - gewagt. Deutlich erhöht hat sich in den vergangenen Monaten die Zahl der Kinder, die mit oder ohne Begleitung flohen. Bild: AFP

Die Fluchtbewegung über das Mittelmeer nimmt ab. Vor allem wegen schlechter Witterungsbedingungen, heißt es bei den UN. Doch immer noch wollen unzählige Menschen nach Europa - und mehr Kinder denn je.

(dpa/epd) Zum ersten Mal in diesem Jahr ist nach UN-Angaben die Zahl der Flüchtlinge auf der Mittelmeer-Route deutlich gesunken. Zugleich sei insgesamt der Anteil von Kindern unter den Fliehenden gestiegen, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) am Dienstag in Genf mit.

Im November seien von der Türkei aus rund 140 000 Migranten über das Mittelmeer nach Europa gekommen und damit rund 80 000 weniger als noch im Oktober, sagte UNHCR-Sprecher William Spindler. Als Hauptgründe für den Rückgang nannte der Sprecher die schlechter werdenden Witterungsbedingungen, die Überfahrten in Booten erschwerten sowie Erfolge beim Vorgehen der Türkei gegen Menschenschmuggler.

Der Rückgang der Flüchtlingszahl sei zwar deutlich, jedoch wagten insgesamt immer noch sehr viele Menschen aus Syrien und anderen Krisenregionen die Flucht auf der gefährlichen Mittelmeer-Route, betonte Spindler. Die Gesamtzahl der seit Januar über das Mittelmeer nach Europa geflohenen Menschen stieg auf mehr als 870 000, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) am selben Tag mitteilte.

Mehr als 3600 Tote

Unter den Flüchtlingen waren in den letzten Monaten so viele Kinder wie nie zuvor. Allein im Oktober sei jeder dritte Migrant, der an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien registriert wurde, minderjährig gewesen, erklärte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) am Dienstag in Genf. Noch im Juni seien nur etwa zehn Prozent der Asylsuchenden Kinder gewesen. Dabei nehme auch die Zahl der Kinder zu, die ohne Begleitung von Verwandten oder anderen Erwachsenen auf der Flucht seien. Beinahe ein Drittel der mehr als 3600 Flüchtlinge, die seit Anfang 2015 im Mittelmeer umgekommen sind, waren laut Unicef Mädchen und Jungen im Alter bis zu 17 Jahren, fünf Prozent waren jünger als zwei Jahre.

Die EU hat ihre Hilfe für die Opfer des syrischen Bürgerkrieges aufgestockt. Mit insgesamt 350 Millionen Euro aus dem Treuhandfonds für die Syrien-Krise sollten 1,5 Millionen Flüchtlinge im Libanon, der Türkei, Jordanien und dem Irak unterstützt werden, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Das Geld werde unter anderem für den Schutz von Kindern und Grundschulbildung, medizinische Versorgung sowie eine bessere Trink- und Abwasserinfrastruktur investiert. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die Entscheidung sei ein Zeichen der Solidarität für die Empfängerländer, die die größte Zahl syrischer Flüchtlinge aufnehmen. "Der Krieg in Syrien ist die größte humanitäre Krise seit Jahrzehnten, wir haben die Pflicht, die Flüchtlinge und die Gemeinschaften zu unterstützen, die sie aufnehmen."

Auch Geld für Schulbesuch

140 Millionen Euro davon sollen in Bildungsprogramme gehen, um zusätzlichen 172 000 syrischen Flüchtlingskindern in der Türkei, dem Libanon und Jordanien den Schulbesuch zu ermöglichen. 130 Millionen Euro sollen in Ausbildung und Beschäftigungsmaßnahmen für Flüchtlinge fließen. Weitere 55 Millionen Euro seien für Gesundheitsprogramme und 25 Millionen Euro für Wasser- und Hygieneprojekte. Zudem teilte die EU mit, dass die zugesicherten 200 Millionen Euro für humanitäre Hilfe für dieses Jahr ausgezahlt worden seien.
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