Klaus Bölling, die Stimme von Helmut Schmidt, im Alter von 86 Jahren gestorben
"Bester Regierungssprecher aller Zeiten"

Klaus Bölling im Jahr 2007. Archivbild: dpa
Nachfolger lobten ihn in den höchsten Tönen: Für Peter Boenisch, zeitweilig Sprecher von Helmut Kohl, war Klaus Bölling "der beste Regierungssprecher aller Zeiten". Ulrich Wilhelm, Angela Merkels früherer Sprecher, nannte Bölling einst "das Maß aller Dinge" in einem der heikelsten Ämter des deutschen Politikbetriebs. Nun ist der gebürtige Potsdamer Bölling im Alter von 86 Jahren gestorben.

Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte den profilierten Journalisten 1974 nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte von Willy Brandt zum Chef des Bundespresseamtes berufen. Im Rampenlicht stand Bölling vor allem 1977, als Terroristen während des "Deutschen Herbstes" den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführten und ermordeten. Bei der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" 1977 nach Mogadischu war er als Kontaktmann zu den Terroristen im Einsatz.

Bölling habe "in für Deutschland wichtigen Zeiten die Regierungsarbeit der sozialliberalen Koalition an entscheidender Stelle mitbestimmt, ja auch mitgeprägt", urteilte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. "Er war das allseits bekannte Gesicht und die Stimme der Regierung von Helmut Schmidt."

Misstrauen in der DDR

Im Februar 1981 wurde Bölling Nachfolger von Günter Gaus als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR. Dort schlug ihm tiefes Misstrauen entgegen. Die SED-Führung wusste, dass sie dem am 29. August 1928 geborenen Bölling nichts vormachen konnte: Schließlich kannte der den Osten aus eigenem Erleben.

Das Schicksal seiner Eltern - der Vater verlor bei den Nazis seine Arbeit im Staatsdienst, die Mutter erlebte als Jüdin die Hölle des Konzentrationslagers Auschwitz - führte Bölling nach Kriegsende als 17-Jährigen in die KPD. Zwei Jahre später erklärte der Student der Geschichte und Germanistik an der Berliner Humboldt-Universität seinen Austritt aus der SED.

In West-Berlin begann dann 1947 seine journalistische Karriere beim "Tagesspiegel". Als Rias-Redakteur berichtete er vom Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. In den Folgejahren arbeitete er beim Sender Freies Berlin, wechselte zum WDR nach Köln, dann zum NDR nach Hamburg, um schließlich für die ARD als Korrespondent aus Washington zu berichten.

Wirbel um Aufzeichnungen

1973 wurde er zum Intendanten von Radio Bremen gewählt. Für publizistischen Wirbel sorgte Bölling nach dem Ende der sozialliberalen Koalition im Herbst 1982. Damals veröffentlichte er umgehend Tagebuchaufzeichnungen über den Verlauf der Krise. "Die letzten 30 Tage des Kanzlers Helmut Schmidt" lautete der Titel des Buches. Der Deutsche Beamtenbund warf Bölling vor, vertrauliche Informationen verbreitet zu haben.

In den Jahren darauf hatte sich Bölling als Publizist, Autor und Talkshow-Gast immer wieder in aktuelle Debatten eingemischt.
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